Der deutsche Fondsverband BVI hat einen "Entnahme-Rechner" online gestellt, mit dem Interessierte ermitteln können, ob sie sich aus ihrem Ersparten die erhoffte Zusatzrente auszahlen können. Eine Simulation auf Basis historischer Renditen veranschaulicht, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, ein zuvor festgelegtes Ergebnis zu erreichen.

Nutzern stehen mehrere Schieber zur Verfügung: Die Dauer der Rentenzahlung lässt sich auf ein bis 50 Jahre einstellen, das Startkapital kann 10.000 bis eine Million Euro betragen, die jährliche Entnahme bis zu 250.000 Euro. Auch ein gewünschter Restwert, die jährlichen Kosten und Steuern lassen sich festlegen. Im nächsten Schritt gibt der Anleger an, welcher Teil seiner Ersparnisse in Aktien und Anleihen stecken und welchen Prozentsatz das Barvermögen ausmacht. Zudem lässt sich der Anlageschwerpunkt (Deutschland oder global) wählen.

Aufwendige Simulation mit historischen Daten
Der Entnahme-Rechner simuliert dann Wertentwicklungsszenarien für das Anlageportfolio. "Basierend auf Ihren Eingaben werden 100.000 zufällig ausgewählte Kombinationen der historischen Jahresrenditen der jeweiligen Anlageklassen berechnet ('Monte-Carlo-Simulation'). Der Rechner gibt anschließend sowohl die mittlere Entwicklung des Anlagekapitals als auch die Bandbreite möglicher Ergebnisse aus", heißt es auf der Website des BVI.

Für die Simulation greift der Rechner auf historische Daten von Indizes wie Dax, MSCI World, Rex-P und Barclays Global Aggregate Bond zurück, die bis 1987 zurückreichen. Für das Barvermögen wird mit dem Dreimonats-Euribor seit 1999 gerechnet. Sämtliche Werte sind inflationsbereinigt, also in heutiger Kaufkraft gerechnet. Als Basis dieser Bereinigung dient die historische Verbraucherpreisinflation in Deutschland seit 1987.

Beispielrechnung
Ein Beispiel: Ein Sparer hat 500.000 Euro zurückgelegt. Die Hälfte davon steckt in globalen Aktien oder Aktienfonds, je ein Viertel in Rentenfonds und Barem. Die jährlichen Kosten wurden auf zwei Prozent festgelegt, die Steuer auf Kapitalerträge auf 25 Prozent. Reicht das Startkapital unter diesen Bedingungen, um sich 30 Jahre lang 24.000 Euro per annum – also 2.000 Euro Zusatzrente im Monat – auszuzahlen?

Für den Ruheständler geht diese Kalkulation nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent auf. Bei mittlerer Entwicklung ist das Kapital bereits nach 26 Jahren aufgezehrt. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent reicht das Geld mindestens 21 Jahre, mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit immerhin 19 Jahre oder länger.

Möchte der Rentner halbwegs auf der sicheren Seite sein, sollte er nur 1.500 Euro im Monat entnehmen, also 18.000 Euro im Jahr. Dann geht sein Plan mit einer Wahrscheinlichkeit von 74 Prozent auf. Oder er erhöht seine Aktienquote auf 75 Prozent und verzichtet auf Bares, dann reicht sein Vermögen mit 53 Prozent Wahrscheinlichkeit auch bei 24.000 Euro Entnahme per annum für 30 Jahre – bei entsprechend erhöhtem Risiko, versteht sich.

Argumentationshilfe für Berater
Kritiker mögen einwenden, dass die Verwendung historischer Daten Schwächen hat. So werden die wenigsten Rentenfonds in den kommenden Jahren an ihre hervorragenden Ergebnisse der vergangenen Jahrzehnte anknüpfen können, und auch bei Aktien gibt es gute Gründe, in näherer Zukunft von im Trend niedrigeren Renditen auszugehen. Allerdings wurde auch für die Inflation auf – vergleichsweise hohe – Vergangenheitsdaten zurückgegriffen, was dieses Manko zumindest zum Teil wettmachen sollte. Außerdem sind die historischen Daten immer noch solider als Renditeprognosen, die einem Blick in die Glaskugel ähneln.

Finanzberater können das Tool unter anderem dazu nutzen, ihren Kunden zu demonstrieren, dass sie ihre finanziellen Ziele kaum erreichen werden, wenn sie nur Bares horten. Sie müssen bereit sein, gewisse Risiken einzugehen – und das nicht nur in der Anspar-, sondern auch in der Entsparphase. (bm)


Der Entnahme-Rechner ist hier zu finden.