Aktive Aktienfondsmanager in Europa tun sich schwer, auf Dauer ihren Vergleichsmaßstab und ihre Konkurrenten zu übertreffen. Zu diesem Ergebnis kommt die erstmals für den europäischen Markt erschienene "Persistence Scorecard" des Analysehauses S&P Dow Jones Indices. Diese Studie untersuchte bislang auf weltweiter Basis, ob und wie vielen aktiven Portfoliolenkern es gelingt, über längere Zeiträume eine Mehrrendite gegenüber Markt und Mitbewerbern herauszuschlagen.

Nun erstellten die Experten die Auswertung erstmals für den europäischen Markt. Dabei beobachteten die Analysten einmal europaweit investierende Aktienfonds und einmal Manager, die in Unternehmen aus bestimmten Regionen oder Ländern wie USA, Großbritannien oder auch global investieren. Die Analysten nahmen bei ihrer Untersuchung auch Fonds auf, die zwischenzeitlich geschlossen oder mit anderen fusioniert wurden.

Besser als der Zufall
Beim Vergleich mit der Konkurrenz erkennen die Experten immerhin gute Ergebnisse für die aktive Zunft in Europa – zumindest über kürzere Betrachtungszeiträume. So gelang es immerhin 15,8 Prozent der Manager, sich über drei aufeinanderfolgende Jahre im oberen Viertel zu halten. Bei weltweit anlegenden Managern waren es fast 25 Prozent, bei US-Titeln sogar 32 Prozent.

Weniger gut schneiden die Portfoliolenker mit Fokus auf britische Aktien ab. Hier hielten sich aber immer noch 14 Prozent dauerhaft in der Top-Gruppe. Bei Eurozonen- und Schwellenländeraktien waren es allerdings nur rund sechs Prozent. Hätte man rein zufällig Fondsmanager ausgewählt, hätte die Trefferquote nur 6,25 Prozent betragen. Eine Managerauswahl anhand der vergangenen Performance kann bei dieser Betrachtungsweise also tatsächlich lohnen.

Bild erodiert
Beim Blick auf fünf aufeinanderfolgende Jahre erodiert jedoch das Bild. Der Anteil der anhaltenden Outperformer in der Spitzengruppe schnurrt auf 0,41 Prozent zusammen. Bei weltweiten und britischen Aktienfonds waren es jeweils zwei Prozent. In den übrigen Gruppen gelang dies aber keinem Manager mehr. Ein zufälliger Griff in die Lostrommel hätte eine Erfolgsquote von 0,39 Prozent gehabt, so die S&P-Experten.

Das Bild hellt sich wiederum auf, wenn man die Fenster von aufeinanderfolgenden Zwölfmonatszeiträumen auf zwei Drei- und zwei Fünfjahresperioden ausweitet. Nach dieser Betrachtungsweise geht der Anteil der Manager, die anhaltend in der Top-Gruppe rangieren, gegen 40 Prozent – in fast allen Investmentregionen.

Durchwachsene Bilanz
Zuletzt betrachteten die S&P-Analysten das Abschneiden europäischer Manager im Vergleich zu ihren Benchmarks. Über drei aufeinanderfolgende Jahre gesehen erreichen Manager globaler, US- und britischer Aktienfonds zumindest eine Outperformance-Quote von 17 bis 22 Prozent. Von den Managern mit Fokus auf Europa,die Eurozone und die Emerging Markets übertreffen aber bestenfalls sechs Prozent über den Dreijahreszeitraum ihren Vergleichsindex.

Auch hier nahmen die Experten noch einen anderen Blickwinkel ein: Sie betrachteten über drei Jahre die durchschnittliche Performance der Manager gegenüber dem jeweiligen Vergleichsmaßstab nach rollierenden Quartalen. Hier konnten sich deutlich weniger Manager in der Spitzengruppe halten. Vergangene Wertentwicklung sei also keine Garantie für künftige Outperformance, ziehen die S&P-Analysten in Anspielung auf den üblichen Disclaimer als Resümee. (ert)