Der Name Eaton Vance ist in Deutschland und Österreich wohl nur wenigen Investoren ein Begriff. Doch das soll sich ändern. Im Oktober 2017 wechselte Thomas Body von Aberdeen Standard Investments zu dem US-Fondshaus, um von Frankfurt aus Kunden aus Deutschland und Österreich zu betreuen. Im Februar übernahm der Asset Manager ein fünfköpfiges Investmentteam, das zuvor bei Oechsle International Advisors beschäftigt war, kurz darauf erfolgte die Eröffnung der Frankfurter Niederlassung (FONDS professionell ONLINE berichtete). Die Redaktion traf Body und Tjalling Halbertsma, der das internationale Geschäft von Eaton Vance verantwortet, zum Interview.


Herr Halbertsma, Eaton Vance ist seit einigen Wochen mit einer eigenen Niederlassung in Frankfurt vertreten. Was hat Sie dazu bewogen, nach Deutschland und Österreich zu expandieren? Der hiesige Markt gilt schließlich als hart umkämpft.

Tjalling Halbertsma: Erklärtes Ziel unseres Unternehmens ist es, das internationale Geschäft zu stärken. Eaton Vance verwaltet insgesamt rund 450 Milliarden US-Dollar, nur 27 Milliarden davon stammen von außerhalb der Vereinigten Staaten. Das entspricht bloß sechs Prozent des verwalteten Vermögens. Doch das wird sich ändern, denn auf der anderen Seite sorgt das internationale Geschäft für zwölf Prozent des Asset-Wachstums. In Japan, wo schon seit vielen Jahren ein Nullzinsumfeld herrscht, ist Eaton Vance sehr erfolgreich, unter anderem mit Hochzins- und Schwellenländeranleihefonds. Diesen Erfolg möchten wir in Europa wiederholen. Viele Märkte lassen sich von London aus betreuen. Für Deutschland gilt das allerdings nicht. Uns war klar: Wenn wir das Geschäft hierzulande vernünftig angehen möchten, müssen wir vor Ort vertreten sein.

Ist Frankfurt Ihr erstes Büro in Kontinentaleuropa?

Halbertsma: Ja. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, eine echte Niederlassung zu eröffnen und nicht nur einen Vertriebsstandort. Wir möchten ein langfristiges Bekenntnis zum hiesigen Markt abgeben. Hier sitzt ja nicht nur Thomas Body, der das Geschäft in Deutschland und Österreich verantwortet, sondern auch ein Portfoliomanagement-Team rund um Astrid Vogler, das von Oechsle International Advisors zu uns gewechselt ist. Damit haben wir uns zum einen Global-Fixed-Income-Expertise eingekauft, zum anderen aber auch das Know-how, Spezialfonds managen zu können.

Ist der Markt nicht längst verteilt? Oder anders gefragt: Kommen Sie nicht zu spät?

Halbertsma: Natürlich wäre es besser gewesen, schon vor zehn Jahren hierher zu kommen, aber hinterher ist man immer schlauer. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass unser Angebot nach wie vor auf Nachfrage treffen wird. Deutschland ist der größte Markt für festverzinsliche Produkte, und in diesem Segment haben wir einiges zu bieten. Wir haben uns auf das Vermeiden großer Verluste spezialisiert. Diese "Downside Protection" ist im aktuellen Marktumfeld – Stichwort Zinswende – wichtiger denn je.

Eaton Vance dient als Dach für insgesamt fünf Investmenthäuser. Wo liegen die Unterschiede, wo die Gemeinsamkeiten dieser Anbieter, Herr Body?

Thomas Body: Die erwähnte Risikoaversion dient gewissermaßen als gemeinsame DNA. Abgesehen davon unterscheiden sich die fünf "Affiliates" in ihrer Anlagestrategie. Zunächst zu unseren beiden größten Sparten: Eaton Vance Management setzt auf fundamentale Analysen, Parametric dagegen auf quantitative, also systematische und regelbasierte Investmentlösungen. Deutlich kleiner ist Calvert, unser Spezialist für nachhaltige Investments. In den USA gehört das Unternehmen in diesem Segment zu den Marktführern. Atlanta Capital wiederum hat einen klaren Fokus auf Qualitätstitel. Fünfter im Bunde ist das Joint-Venture Hexavest, das sich auf Aktien- und Rentenstrategien mit Top-Down-Ansatz konzentriert.

Halbertsma: Vertrieblich betreut werden die Produkte trotz der erwähnten Affiliates-Struktur aus einer Hand: Thomas Body ist sozusagen unser "Mister Eaton Vance" in Deutschland und Österreich.

Herr Body, Sie bewerkstelligen den Vertrieb zumindest anfangs alleine. Auf welche Kundengruppen werden Sie sich konzentrieren?

Body: Zum einen auf institutionelle Investoren, zum anderen auf die großen Fondsselektoren wie Dachfondsmanager. Im Laufe der Jahre wollen wir den Vertriebsfokus erweitern. Aber das Geschäft soll Stück für Stück wachsen. Wir möchten keine Leute einstellen, die wir dann wieder entlassen müssen, nur weil unser Plan womöglich doch nicht aufgegangen ist – aus Gründen, die wir nicht kontrollieren können. Eaton Vance ist langfristig orientiert. Ich merke schon nach den ersten Gesprächen, dass unser Angebot bei den Investoren auf großes Interesse stößt. Jetzt gilt es, dieses Interesse in Zuflüsse umzuwandeln.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)