"Diabolisch": Bond-König Gundlach rechnet mit semiliquiden Fonds ab
Doubleline-Chef Jeffrey Gundlach wirft Finanzberatern vor, Risiken semiliquider Fonds unzureichend erklärt zu haben. Besonders Private-Credit-Produkte sieht der Bondinvestor zunehmend kritisch.
Bondinvestor Jeffrey Gundlach hat scharfe Kritik an Finanzberatern und anderen Vermittlern geübt, die Privatanleger in Private-Credit-Produkte und andere sogenannte semiliquide Fonds gelenkt haben. Dabei stellte der Chef von Doubleline Capital infrage, ob hohe Gebühren nicht ebenso ausschlaggebend gewesen seien wie die Interessen der Kunden.
"Es ist klar, dass in den Prospekten über den Gate-Mechanismus gesprochen wurde, aber ich habe das Gefühl, dass die Finanzintermediäre – nicht alle natürlich, aber genug von ihnen – das nicht erklärt haben", sagte er am Mittwoch (7.5.) auf einer Podiumsdiskussion bei der "Milken Institute Global Conference" in Beverly Hills.
"Intransparent gehalten"
Die Produkte seien "intransparent gehalten und nicht detailliert beschrieben" worden, erklärte er weiter. "Deshalb wollen jetzt alle ihr Geld zurück: Sie beginnen zu erkennen, dass sie am Ende die Verluste tragen könnten."
Besonders kritisch äußerte sich Gundlach zur Bezeichnung vieler Fonds als "semiliquid": "Semiliquid ist ein geradezu diabolischer Begriff. Die Hälfte der Zeit sind sie liquide. Sie sind liquide, wenn man sein Geld nicht braucht – und illiquide, wenn man es braucht."
Branche unter Druck
Private-Credit-Firmen sehen sich derzeit mit einer Welle von Rücknahmeanträgen konfrontiert. Das stellt eine Branche vor Herausforderungen, die Privatanleger bislang als neue Kapitalquelle neben institutionellen Investoren betrachtet hatte.
Auf der Milken-Konferenz und darüber hinaus stellen Vermögensverwalter inzwischen die Sinnhaftigkeit – oder zumindest die Vermarktung – illiquider Anlagen für breite Anlegergruppen infrage.
Vergleich mit früheren Marktzyklen
Gundlach, dessen Unternehmen Doubleline Vermögenswerte von fast 100 Milliarden US-Dollar in festverzinslichen Anlagen und anderen Bereichen verwaltet, zog Parallelen zwischen dem heutigen Private-Credit-Markt und den "Boom and Bust"-Zyklen der Dotcom-Ära sowie von hypothekenbesicherten Wertpapieren und anderen Derivaten.
Risikoreiche Kredite könnten sich im privaten Markt leichter verbergen, sagte er, und verwies darauf, dass die Qualität im öffentlichen Hochzinsmarkt heute deutlich besser sei als vor der globalen Finanzkrise. "Das wird eine interessante Phase, weil die Datenpunkte nicht so häufig sind wie bei den Dotcoms oder dem Hypothekenmarkt", so Gundlach. "Ich weiß nicht genau, was systemisch bedeutet, aber hier werden Menschen Geld verlieren."
Neue Regeln für Altersvorsorgepläne
Das US-Arbeitsministerium hat es Unternehmen erleichtert, alternative Anlageformen wie Private Credit, Private Equity, Kryptowährungen und Immobilieninvestitionen in Altersvorsorgeplänen anzubieten.
Befürworter der neuen Vorschriften argumentieren, dass alternative Anlagen Privatanlegern helfen werden, über einen längeren Zeitraum hinweg deutlich höhere Renditen zu erzielen als mit traditionellen Aktien. (mb/Bloomberg)















