In der Regel starten Finanzbildungsevents mit einer konjunkturellen Bestandsaufnahme. Das Finanzplaner Forum in Wien, am 4. und 5. Mai, ersparte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieses Jahr die potenziell erdrückenden – und den meisten wohl ohnehin bekannten – Wahrheiten aus der globalen Wirtschaft. Stattdessen setzte Verhaltensökonom Matthias Sutter einen motivierenden Kontrapunkt für mehr Vertrauen und Kooperation.



Sutter untermauerte in seinem Eröffnungsvortrag, dass der im Privatleben unabdingbare Regelmechanismus aus Vertrauen und Kooperation auch fundamental für das Funktionieren von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft ist. Eine Botschaft, die momentan umso wichtiger erscheint, als die globale Meldungslage vom Gegenteil dominiert wird – von Hegemoniebestrebungen und vom Zusammenbruch diplomatischer Beziehungen.

In modernen Zivilgesellschaften bedeute ein hohes Maß an Kooperation und Vertrauen üblicherweise mehr Wohlstand, so Sutter, Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomik in Bonn und Professor für Experimentelle Wirtschaftsforschung an den Universitäten Köln und Innsbruck. Und auch der Erfolg in der Mikrobetrachtung, etwa im einzelnen Unternehmen, hängt demnach messbar damit zusammen. 

Vertrauen: Jeder gibt das Beste
Mitarbeiter würden häufig mit ihren Anstrengungen in Vorleistung gehen, in der Annahme, dass jeder andere ebenfalls sein Bestes gibt. "Allein die Erwartungshaltung wirkt", so Sutter. Umgekehrt sinkt die Motivation aber, sobald Mitarbeiter auf Trittbrettfahrer oder geringere Leistungen bei den Kollegen aufmerksam werden.  

"Wenn einer nicht am Strang zieht, müssen Sie als Führungskraft schnell reagieren und eine klare Erwartungshaltung kommunizieren", sagte Sutter. Untersuchungen zeigen, dass die Mitwirkung des Mitarbeiterkollektivs dort am höchsten ist, wo es zum einen Belohnungen gibt, zum anderen aber auch Sanktionen, dort wo individuell die Beiträge sinken.

Jahrhunderte lange Wirkung
Gleichzeitig ist die aktive gestalterische Teilnahme nicht nur abhängig von Incentives; individuelles Engagement ist auch ein Lernprozess, der – einmal etabliert – seine Wirkung langfristig entfalten kann.

Sutter illustrierte das am Beispiel jener Schweizer Gebiete, die einst vom Adelsgeschlecht der Zähringer regiert wurden. Nach dem Aussterben der Hauptlinie im 13. Jahrhundert wurde den Kommunen teils die Selbstverwaltung übertragen. "Bis heute gibt es Unterschiede zwischen Zähringer Gebieten und den anderen. Sie sind häufiger in Vereinen oder im Umweltschutz aktiv, initiieren mehr Volksabstimmungen, gestalten mehr mit", so Sutter.

Wie in den Vorjahren gab es am Finanzplaner Forum auch diesmal ein dichtes Vortragsprogramm und angeregtes Networking in den Pausen. Wen Guido Küsters und Claudia Figl (Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzende des Österreichischen Verbands der Financial Planners) begrüßten, sehen Sie in der Bildergalerie. (eml)


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