Die Covid-19-Pandemie führt dazu, dass die Europäer im Schnitt weniger Geld ausgeben und höhere Rücklagen bilden. Das geht aus einer Umfrage der ING in 13 europäischen Ländern hervor. In fast allen Ländern gaben die Befragten an, ihre Ausgaben seit Krisenbeginn reduziert zu haben. Vor allem in Staaten, die besonders stark vom Virus in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist den Bürgern demnach die Lust aufs Geld ausgeben vergangen – etwa in Italien, Frankreich und Großbritannien. Das mag auch an den strengen Lockdowns gelegen haben, die selbst Unerschrockenen kaum eine Chance zum Shoppen ließen.

Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Krise bringt die Menschen zudem dazu, mehr Geld auf die hohe Kante zu legen. Insbesondere in Großbritannien und Luxemburg wollen die Bürger mehr sparen. Zwar gaben auch in anderen europäischen Ländern zahlreiche Befragte an, mehr Geld zurücklegen zu wollen. Ihre Zahl hält sich jedoch oft die Waage mit der Zahl jener, die stattdessen weniger sparen wollen als bisher. Sparen muss man sich auch leisten können, gibt die ING zu bedenken: Die Krise dürfte viele Menschen dazu zwingen, ihre Ersparnisse aufzulösen statt weiter aufzustocken.

Man kann nur mehren, was schon da ist
Wer nun mehr sparen will und wer weniger, hängt offenbar maßgeblich davon ab, wie viel er bereits besitzt. Wer bereits über Ersparnisse verfügt, gab in der ING-Umfrage häufiger an, sie in der kommenden Zeit sogar noch ausbauen zu wollen. Haben Befragte dagegen bislang keine Rücklagen, wollen sie nur selten damit beginnen, in der laufenden Krise welche aufzubauen. Die Korrelation ist deutlich zu erkennen: Je höher die Rücklagen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Befragte in der Coronakrise mehr sparen wollen als zuvor.

Eine Faustregel empfiehl drei Monatsnettoeinkommen als angemessene Reserve. Die Befragten, die zu diesem Punkt Angaben machen wollten, haben im Schnitt meist tatsächlich mindestens zwei bis drei Monatsgehälter auf der hohen Kante, oft sogar noch mehr. Besonders hoch sind der Umfrage zufolge die Ersparnisse von Luxemburgern und Briten. Deutschland und Österreich liegen im Mittelfeld. (fp)