Vielen Portfoliomanagern gelingt es in Krisenzeiten nicht, ihre Vergleichsbarometer zu übertreffen. Zu diesem wenig schmeichelhaften Ergebnis kommt eine Studie der europäischen Marktaufsicht ESMA. Die Analysten der Behörde verglichen die Wertentwicklung aktiv gelenkter Aktienfonds mit der Wertentwicklung der im Prospekt angegebenen Benchmarks im Laufe des Corona-Crashs. Konkret untersuchten die Experten die Zeit von Mitte Februar bis Ende Juni 2020.

Für diese Periode ließ sich unter dem Strich "keine eindeutige Outperformance der aktiven Fonds im Vergleich zu den Prospekt-Benchmarks feststellen", schreiben die Studienautoren. Sie unterteilten die Marktentwicklung zudem in drei Abschnitte: Die Stressphase von Mitte Februar bis Ende März, eine anschließende Erholungsperiode bis Mitte Mai sowie eine Stabilisierungszeit bis Ende Juni. Insbesondere in der anfänglichen Stressphase hinkten aktive Aktienfonds ihren Vergleichsindizes und der allgemeinen Marktentwicklung hinterher.

Keine anhaltende Outperformance
Diese Minderleistung verringerte sich allerdings in den folgenden Perioden der Erholung und Stabilisierung. Zum Teil gelang es den Lenkern aktiver Aktienfonds dann immerhin, den breiten Markt zu übertreffen, gemessen am Eurostoxx 600. Auch Vehikel mit größerem Volumen gelinge es eher, ihre Benchmarks zu übertreffen.

Gleichwohl leiten die Analysten aus den Ergebnissen ab, dass sich keine "anhaltende Outperformance" aktiver Fonds feststellen lässt. Mit dieser Folgerung widersprechen die ESMA-Analysten den Werbesprüchen vieler Fondsanbieter. Diese betonen gerne, dass gerade in Stressphasen sich der Mehrwert aktiven Managements offenbare.

Ähnliche Ergebnisse
Die Studienautoren verweisen auf andere Untersuchungen, die zu ähnlichen Ergebnissen kamen. So zeige das Aktiv-Passiv-Barometer von Morningstar, dass im ersten Halbjahr 2020 nur die Hälfte aktiver Fonds ihre passiven Konkurrenten übertroffen hätten. Eine Analyse des Indexanbieters S&P Dow Jones Indices wiederum kam zu dem Ergebnis, dass eine Outperformance sich je nach Domizil des Fonds unterscheidet. So gelang es in Frankreich beheimateten Aktienfonds eher, Marktindizes zu übertreffen, als in Spanien oder Italien angesiedelten Vehikel.

Die europäische Aufsicht untersuchte in der Studie 3.155 Aktien-UCITS-Fonds mit einem verwalteten Vermögen von gut einer Billion Euro. Die Autoren betonen aber, dass sich die Studie allein auf die Zeit der Marktverwerfungen rund um die Ausbreitung der Corona-Pandemie konzentriert habe. Längerfristige Aussagen über die Outperformance aktiver Fonds ließen sich daraus nicht ableiten. Zudem beschränkt sich die Studie auf Aktienfonds. (ert)