Investoren und Fondsgesellschaften können zweifelsohne einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Volkswirtschaften rund um den Globus ihre Klimaziele erreichen, sagt Sébastien Thévoux-Chabuel, ESG-Analyst und Portfoliomanager bei Comgest. Diese Aufgabe braucht aber Zeit, einen langen Atem und eine klare Investment-Vision, betont er. "Eine Lösung auf Knopfdruck gibt es nicht – auch wenn das angesichts des Booms von grünen Aktien an der Börse so scheinen mag." In der aktuellen Umbruchphase hält der Anlagespezialist empfindliche Rücksetzer für ESG-Investoren nicht für ausgeschlossen.

Der Comgest-Experte sieht derzeit Parallelen zur Dotcom-Blase kurz vor der Jahrtausendwende. Viele Anleger hatten damals erkannt, dass das Internet gewaltiges Potenzial birgt. "Allerdings waren sie ihrer Zeit um gut fünf bis zehn Jahre voraus, weil weder die Infrastruktur noch der Verbraucher für diese neue Technologie bereit waren." Heute könnte es analog zur damaligen Situation zu früh sein, um einzig und allein auf Aktien nachhaltiger Unternehmen zu setzen. "Die Investition in Trends ist unserer Ansicht nach nicht der beste Weg, um langfristig erfolgreich anzulegen und zur Dekarbonisierung der Wirtschaft beizutragen", sagt Thévoux-Chabuel. Er rät stattdessen zu einem Bottom-up-Ansatz.

Anteilseigner müssen aktiv werden
Ein grünes Portfolio allein ist nach Einschätzung des Comgest-Portfoliomanagers nicht unbedingt der Königsweg beim Klimaschutz. Aktionäre, insbesondere Großinvestoren wie Fondsgesellschaften, sollten von ihrem Einfluss Gebrauch machen und den Dialog mit Unternehmen suchen, fordert er. "Die Wahrnehmung des Stimmrechts ist eine der wichtigsten Aufgaben eines Anteilseigners." Investoren sollten Unternehmen dabei unterstützen, sich in Umweltfragen besser zu positionieren. "Dabei geht es nicht um einen moralischen Zeigefinger, sondern einen langfristig angelegten, konstruktiven Dialog, um Bewusstsein zu schaffen und Verhaltensweisen langfristig zu ändern", sagt Thévoux-Chabuel. (fp)