Die deutsche Quirin Privatbank ist hierzulande kaum jemandem ein Begriff, dies könnte sich allerdings bald ändern: Denn Christian Ohswald, der langjährige Vorstandsvorsitzende und Leiter Wealth Management der Deutsche Bank Österreich, hat kürzlich die Leitung des Privatkundengeschäfts sowie des Business Development bei der Quirin Privatbank übernommen. Vor allem für die Vermögensberatung gegen Honorar ist die Bank in Deutschland bekannt. Zudem verfügt das Unternehmen mit dem Robo-Advisor quirion im Bereich der digitalen Vermögensverwaltung eine Lösung. Das Institut beschäftigt derzeit an 15 Standorten etwa 220 Mitarbeiter und betreut 15.000 Kunden mit einem Anlagevolumen von etwa 3,4 Milliarden Euro. Über den Robo-Advisor quirion werden derzeit an die 180 Millionen Euro von etwa 6.000 Kunden betreut (Januar 2019).

Im Gespräch mit FONDS professionell stellt Ohswald einen Einstieg der Bank in Österreich durchaus in Aussicht, so erklärt der promovierte Wirtschaftswissenschaftler: "Wir wollen exponentiell weiter wachsen. Wenn uns dies in Deutschland gelingt – und das sehe ich in einem sehr überschaubaren Zeitraum als realistisch an –, können wir uns auch die Frage stellen, ob sich dieses Geschäftsmodell grenzüberschreitend weiterentwickeln lässt, also etwa auch in Österreich." Dabei gibt er durchaus zu, dass das Geschäftsmodell der Quirin Privatbank kein einfaches sei: "Würde man in Österreich von der „grünen Wiese“ mit dem Modell der unabhängigen Beratung gegen Honorar starten, dann wäre das wahrscheinlich nicht ganz einfach."

Branche muss sich etwas einfallen lassen
Potenzial sieht der Banker vor allem im Bereich der Affluent-Kunden – also jenen, die ein Veranlagungsvolumen von 200.000 bis drei Millionen Euro haben. "In diesem Bereich muss sich die Branche etwas einfallen lassen. Denn so wie der Beratungsprozess in der Regel derzeit organisiert wird, ist es verdammt schwierig, den notwendigen Aufwand tatsächlich zu verdienen. Viele trauen sich jedoch noch nicht so richtig, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen, aber alle beobachten den Markt sehr genau. Daher würde ich grundsätzlich auch nicht ausschließen, dass mit den Erfahrungen, dem Know-how und dem Track Record, den die Quirin Privatbank hat, vielleicht auch Partnerschaften und Allianzen möglich sind. Ziel ist es, als Marke zu wachsen, und da können Partnerschaften durchaus eine Möglichkeit sein", meint Ohswald.

Der Berater selbst wird laut Ohswald jedenfalls auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, dies wird der Bank auch durch Kundenbefragungen bestätigt. Im Rahmen der letzten Befragung wurden 7.000 Kunden eingeladen, dabei mitzumachen, den Beratungsprozess zu verbessern. Insgesamt haben laut Ohswald 1.000 Kunden nicht nur einen Multiple-Choice-Fragebogen ausgefüllt, sondern auch qualitativ Hinweise gegeben, wie sie sich eine optimale Beratung vorstellen. "Dabei zeigte sich, dass die Erreichbarkeit und die Präsenz eines persönlichen Beraters nach wie vor extrem wichtig sind. Selbst bei Kunden, die mittels Robo­Advisor agieren, zeigt sich, dass auch diese in vielen Fällen einen Ansprechpartner wünschen", erklärt der neue Leiter des Privatkundengeschäfts. (gp)


Das vollständige Interview mit Christian Ohswald finden Sie ab Seite 240 in der aktuellen Heftausgabe 1/2019 von FONDS professionell. Angemeldete Mitglieder des FONDS professionell KLUBs können den Artikel auch im E-Magazin lesen.