Betriebliche Altersvorsorge: Österreich investiert anders
Österreichs betriebliche Altersvorsorge ist seit 2019 um 24 Prozent auf 74,3 Milliarden Euro gewachsen. Im europäischen Vergleich bleibt die zweite Säule dennoch nur Mittelmaß. Heimische Pensionskassen investieren im Euroraum-Vergleich außergewöhnlich stark über Investmentfonds.
Die betriebliche Altersvorsorge gewinnt in Österreich zwar an Volumen, im europäischen Vergleich bleibt die zweite Säule aber von mittlerer Bedeutung. Laut einer aktuellen Analyse der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) beliefen sich die Ansprüche österreichischer Haushalte aus der betrieblichen Altersvorsorge 2025 auf 74,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 24 Prozent beziehungsweise 14,2 Milliarden Euro gegenüber 2019. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt kommt Österreich auf rund 14 Prozent. Deutlich höhere Werte erreichen etwa die Niederlande mit 131 Prozent oder Deutschland mit 29 Prozent.
Vorsorgekassen holen auf
Innerhalb der zweiten Säule verschieben sich außerdem die Gewichte: Pensionskassen stellen mit 30,0 Milliarden Euro und einem Anteil von 41 Prozent weiterhin den größten Bereich dar. Besonders dynamisch entwickelten sich jedoch die betrieblichen Vorsorgekassen: Die Ansprüche gegenüber diesen Einrichtungen wuchsen seit 2019 um 77 Prozent auf 23,6 Milliarden Euro. Direkte Pensionszusagen verloren dagegen an Bedeutung. Ihr Anteil sank von 35 auf 26 Prozent, das Volumen ging auf 19,1 Milliarden Euro zurück.
Wie hat sich die betriebliche Altersvorsorge in Österreich entwickelt? Die Redaktion hat die wichtigsten Zahlen und Trends der OeNB-Studie in sechs Grafiken aufbereitet – einfach durchklicken!
Fonds prägen die Veranlagung
Eine Besonderheit lässt sich indes bei der Veranlagung beobachten. Österreichische Pensionskassen investieren 94 Prozent ihres Veranlagungsvolumens in Investmentfonds, während die Fondsquote der Pensionskassen im Euroraum lediglich 38 Prozent beträgt. Bei den heimischen Vorsorgekassen entfallen ebenfalls hohe 85 Prozent auf Fonds. Die OeNB hat die zugrunde liegenden Portfolios deshalb mittels einer Look-through-Analyse durchgerechnet. Dabei zeigt sich: Hinter den überwiegend österreichisch domizilierten Fonds stehen international breit gestreute Wertpapierinvestments. Das tatsächliche Auslandsexposure beträgt bei Pensionskassen 93 Prozent und bei Vorsorgekassen 88 Prozent.
Mehr Rendite, mehr Schwankung
Beim Blick durch die Fondshülle treten zugleich deutliche Unterschiede zwischen den Portfolios hervor. Schuldverschreibungen machen bei den Vorsorgekassen 66 Prozent des durchgerechneten Wertpapiervermögens aus, bei den Pensionskassen sind es lediglich 28 Prozent. Grund dafür sind unter anderem die Kapitalgarantie, höhere Liquiditätsanforderungen und der kürzere Anlagehorizont der Vorsorgekassen. Die offensivere Veranlagung der Pensionskassen ermöglichte langfristig höhere Erträge, führte in schwachen Börsenjahren jedoch auch zu stärkeren Verlusten. Rechnerisch wären aus 100 Euro seit 2019 rund 133,70 Euro geworden, bei den konservativer investierenden Vorsorgekassen 116,50 Euro. (cf)















