Trotz des Performanceeinbruchs bei nachhaltigen Energieinvestments ab 2022 sind nachhaltige Fonds in Österreich nicht mehr wegzudenken. Zwischen 2021 und 2025 ist das Volumen in solchen Produkten um rund 68 Prozent auf über 123 Milliarden Euro gestiegen, was mehr als der Hälfte des gesamten österreichischen Fondsvolumens entspricht. 

"Es geht hier nicht um kurzfristige Modeerscheinungen", betonte Heinz Bednar, Chef der Erste Asset Management und Präsident der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG), im Umfeld der VÖIG-Fondstage. "Die größten Gegner grüner Technologien entwickeln sich zu deren Förderern", so Bednar mit Blick auf US-Präsident Donald Trump. Dieser forciert zwar den Rückgriff auf fossile Energien, verdeutlicht durch seinen Angriff auf den Iran und den damit ausgelösten Öl- und Gaspreisschock jedoch gleichzeitig, dass erneuerbare Alternativen für die Volkswirtschaften unumgänglich sind, wenn sie unabhängiger sein möchten.

Fondsbranche stark – Kritik an Politik
Global, europaweit und national seien generell die Nettozuflüsse in Investmentfonds im Vorjahr deutlich gestiegen. "Wir sehen, das Vertrauen der Anleger ist da. Ich verstehe nicht, warum die dritte Säule nicht gestärkt wird", kritisierte Bednar.

Er nahm dabei auf die Bundesregierung Bezug, die diese Woche Verbesserungen bei den Veranlagungen in der zweiten Säule, also der betrieblichen Altersvorsorge, beschlossen hat, jedoch nach wie vor keine Maßnahmen bei der privaten Vorsorge in Aussicht stellt. Insbesondere das von den Fondsgesellschaften – und von Vorsorgeexperten allgemein – seit Langem geforderte steuerfreie Vorsorgedepot ist in weite Ferne gerückt. "Es würden viel mehr Private ihr Geld veranlagen, wenn die dritte Säule gefördert würde. Ich habe aber keine Hoffnung, dass das in dieser Legislaturperiode noch passiert", so Bednar, der auf die Sparbemühungen der Regierung verwies.

Globale Rekorde
Auch Markus Poscher, Vorstand der Vereinigung ausländischer Investmentgesellschaften (VAIÖ) und Chef von Invesco Österreich und CEE, hob die Entwicklung der Fondsbranche hervor, die trotz der Krisen der vergangenen Jahre langfristig sehr stark ist. Global verwalteten Open-End-Fonds Ende 2025 rund 75 Billionen Euro. Vor rund zwei Jahrzehnten waren es nicht einmal 20 Billionen. Dominant seien in der weltweiten Betrachtung Aktien, mit einem Anteil von 46 Prozent.

Hier haben die österreichischen Anleger, die im Fondsbereich nur zu rund 23 Prozent in Aktien investiert sind, noch Aufholbedarf. Aktien werden zwar in der öffentlichen Diskussion oft als risikoreicher bezeichnet, sie bringen bei breiter Streuung im langfristigen historischen Durchschnitt aber stets die beste Performance.

Europa: Starke Anstiege
In Europa seien die Nettozuflüsse (Käufe minus Verkäufe) 2025 in UCITS und AIFs von 685 auf 888 Milliarden Euro (plus 30 Prozent) deutlich gewachsen. Ein Treiber waren die kostengünstigen börsengehandelten Fonds (ETFs), wo der Nettozufluss bei 348 Milliarden Euro lag, was ebenfalls um rund 30 Prozent mehr ist als 2024. Europaweit stellen ETFs aber immer noch erst 16 Prozent der gesamten veranlagten Fondsvermögen dar, so Poscher.

Die österreichische Fondsindustrie sei 2026 gut gestartet, der März war allerdings wegen des Iran-Konfliktes schwächer. Gleichzeitig hofft die Branche, dass die Dynamik hoch bleibt, und setzt dabei auch auf neue Produkte wie den ELTIF 2.0. 2025 wurden EU-weit 113 solcher europäischer Langfristinvestmentprodukte aufgelegt, nach nur 61 im Jahr davor. Die EU-Kommission hat hier für eine Belebung gesorgt, indem sie das dysfunktionale alte ELTIF-Regime verbessert hat.

Die Erste Asset Management hat vor Kurzem als erste Fondsgesellschaft in Österreich einen eigenen ELTIF angekündigt. Das Produkt sei breit aufgestellt und vorerst sei kein weiteres in der Pipeline. Aber es werde wohl nicht das letzte bleiben, so Bednar. (eml)