Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) fristet in Österreich noch immer ein Schattendasein, was daran liegt, dass die staatliche Pension im internationalen Vergleich sehr hoch ist. Geht es nach dem Wiener Start-up Finabro soll sich dies in Zukunft dennoch ändern. Dabei soll das "300-Euro-Modell" mit seinem Steuervorteil als Hebel dienen. Für jeden Arbeitnehmer können so pro Jahr 300 Euro völlig steuerfrei und ohne Lohnnebenkosten in Vorsorgelösungen investiert werden, was vor allem angesichts der Negativzinsen sehr attraktiv ist.

Um Schwung in das Thema zu bringen, will Finabro-Gründer Sören Obling den Zugang zur bAV deutlich erleichtern. Oblings Blaupause ist dabei das System seines Heimatlandes: In Dänemark ist betriebliche Altervsorsoge eine Selbstverständlichkeit und hat dort in den vergangenen Jahren massiv zum Wohlstandsaufbau der Bevölkerung beigetragen. Dänische Pensionskassen betreuen heute an die 600 Milliarden Euro. "Wenn wir in Dänemark das Wort Pension hören, denken wir an die betriebliche Altersvorsorge, in Österreich denkt man immer noch an die staatliche Pension. Zwar gibt es in Dänemark auch ein ähnliches staatliches System, daneben ist es aber normal, dass zwischen sieben und zehn Prozent des Gehalts in die betriebliche Vorsorge eingezahlt werden, der Arbeitgeber schießt dann noch etwas zu. Da hab ich mir gedacht, es muss doch auch hier bessere Wege und Ideen geben. Das war eigentlich der Gründungsgedanke von Finabro", erklärt Obling.

Mittlerweile ist der ehemalige McKinsey-Mitarbeiter schon einen großen Schritt weiter. Nachdem ihm und seinem Geschäftsleiter Joachim Schuller bewusst wurde, dass es noch keine digitale Beratungs- und Abwicklungsstrecke für das 300-Euro-Modell gab, setzte man kurzerhand eine entsprechende Plattform auf. "Wir haben damals gesehen, dass die betriebliche Vorsorge in Österreich ein riesiges Potenzial hat", erinnert sich der Finabro-Gründer, der die mögliche Zielgruppe in Österreich im Bereich von 2,5 Millionen Arbeitnehmern beziffert. 

300-Euro-Modell
Das eher kleinteilige Geschäft mit dem "300-Euro-Modell" machte den Vermittlern wirtschaftlich betrachtet bisher allerdings eher wenig Freude. Ein hoher Beratungs- und Abwicklungsaufwand, gepaart mit einer geringen Abschlussprovision, sorgte dafür, dass nur wenige Berater das Geschäft angriffen. Einer von ihnen ist der Vermögensberater Wolfgang Auer: "Wir haben das 300-Euro-Modell bereits in der Vergangenheit angeboten und beraten, allerdings nur als Gehaltserhöhung. Die Bezugsumwandlung, was ein Gespräch mit jedem Mitarbeiter bedeuten würde, haben wir bisher nicht gemacht."

Und genau hier setzt das System von Finabro an: Dieses sieht vor, dass immer mit dem Unternehmen ein Rahmenvertrag abgeschlossen wird. Entscheiden sich die Mitarbeiter für die Lösung, dann ist es eine Anmeldung für ein Zusatzprodukt unter diesem Rahmenvertrag. Verlässt der Mitarbeiter das Unternehmen, findet eine Zwangsüberschreibung auf ihn statt. Durch diese Vorgehensweise muss nicht mit jedem Mitarbeiter ein einzelner Versicherungsvertrag abgeschlossen werden, das vereinfacht den ­ganzen Prozess deutlich. Bisher haben die Makler laut Obling sieben bis zehn Prozent der Belegschaft eines Unternehmens erreicht und mussten dafür zwei bis drei Tage Vertriebsaufwand investieren.

"Nun können wir den Aufwand um bis zu 90 Prozent reduzieren. Es wird alles digital ­abgewickelt, der Mitarbeiter wird von uns angeschrieben, und das 300-Euro-Modell wird ihm einfach mittels eines Videos erklärt. Danach kann der Kunde über unsere Plattform zustimmen. Wir sehen jetzt bereits, dass wir im ersten Jahr eine Quote von 20 bis 30 Prozent der Arbeitnehmer erreichen. Bei jenen Unternehmen, die wir seit drei Jahren betreuen, sehen wir zudem, dass wir jedes Jahr weitere zehn Prozent der Mitarbeiter hinzugewinnen", freut sich der Finabro-Gründer, der in Zukunft mit fünf Versicherungen zusammenarbeiten wird. Eine Handvoll größerer Makler nutzen das Angebot von Finabro jedenfalls bereits und zeigen sich auf Nachfrage durchwegs zufrieden. So meint auch Auer, der mittlerweile Finabro nutzt: "Für uns ist das eine Bereicherung, da wir nun eine neue Kundenklientel erschließen können, die mit der bAV beginnen möchte. So können die Betriebe quasi einen Soft-Einstieg machen, wenn sie noch nicht bereit sind, selbst Kapital zu investieren." (gp)


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