Die Coronakrise und der damit einhergehende Boom des Online- und Digitalbankings haben das Filialsterben weiter beschleunigt. Nicht einmal die Branche selbst ist noch davon überzeugt, dass das Filialmodell Zukunft hat. In einer Umfrage unter 305 Bankmanagern weltweit, durchgeführt von der Research-Abteilung der britischen Zeitschrift "The Economist", sagten 65 Prozent der Befragten: Sie halten es für wahrscheinlich oder sogar sehr wahrscheinlich, dass filialbasierte Geschäftsmodelle in den kommenden fünf Jahren aussterben. Vor vier Jahren stimmten nur 35 Prozent dieser Aussage zu, schreibt das "Handelsblatt", das über die Studie berichtet.

Eine Analyse der Unternehmensberatung PwC kam jüngst ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Europas Banken ihr Filialnetz weiter zurückstutzen müssen. Hauptgrund dafür sei der anhaltende Druck, Kosten zu sparen, der durch Corona nochmals verschärft worden sei. Kanika Hope, Strategiechefin des Softwareunternehmens Temenos, das die "Economist"-Studie in Auftrag gegeben hat, sieht dagegen in erster Linie einen Kulturwandel als Grund für den Filialschwund. "Die Pandemie hat die Banken gezwungen, auch komplexere und beratungsintensivere Produkte und Angebote, die es zuvor nur in der Filiale gab, digital bereitzustellen", sagt Hope dem "Handelsblatt". Sogar Immobilienkredite und erklärungsbedürftige Finanzprodukte würden heute über das Internet vertrieben. (fp)