Ende des Sommers befragte die Nachrichtenagentur Bloomberg 20 europäische Banken zu ihrer ESG-Strategie. Dabei zeigte sich, dass etliche Institute entweder ein Modell vorbereiten, das die Mitarbeitervergütung an die Erfolge eines Unternehmens bei einschlägigen Nachhaltigkeitskennzahlen koppelt, oder ein solches System bereits haben. Die europäische Regulierungsbehörde will bis Ende 2021 ESG-Risiken explizit in die Vergütungsrichtlinien für Banken aufnehmen. Banker, denen ihr Gehalt am Herzen liegt, könnten also bald gezwungen sein nachzuweisen, dass sie aktiv auf die Nachhaltigkeitsziele ihres Unternehmens einwirken. Beim internationalen Consultingunternehmen Deloitte, wo seit den 1990ern umfangreiche Daten zu den Gehaltsentwicklungen bei Österreichs Banken gesammelt und ausgewertet werden, merkt man von diesem Trend in Österreich allerdings noch nicht sehr viel. Pia Stelzhammer, ­Managerin Human Capital bei Deloitte in Wien, erklärt dazu: "Aus unseren Daten geht dies noch nicht hervor. Das Nachhaltigkeitsthema spielt im Bereich der Gehaltszahlungen bisher nur eine untergeordnete Rolle. Aus den Gesprächen mit Banken wissen wir allerdings, dass sich etliche schon damit beschäftigen, wir gehen davon aus, dass wir im kommenden Jahr mehr Daten dazu bekommen werden.“

Ein klarer und sich bereits seit einigen Jahren abzeichnender Trend ist hingegen der Rückgang im Bereich der variablen Vergütungen. Diese umfassen einmalige und laufende variable Zahlungen, die von individuellen Leistungen und/oder vom Unternehmenserfolg abhängen, zum Beispiel Boni, Prämien, Provisionen oder Gewinnbeteiligungen. Der Anteil wie auch die Höhe der variablen Vergütungen ist laut Stelzhammer rückläufig: "Die variable Vergütung wird als Gehaltsbestandteil in der Bankenbranche zunehmend unwichtiger. 2014 betrug der Anteil jener Personen, die eine variable Vergütung bekommen haben, noch 65 Prozent, mittlerweile liegt man bei 44 Prozent. Verantwortlich hierfür ist vor allem die Regulatorik." 

Aufsicht greift ein
Aber auch die Aufsicht mischt sich bei diesem Thema immer öfter ein. So forderten beispielsweise die EZB und auch die Finanzmarktaufsicht aufgrund der Corona-Pandemie die Institute im vergangenen Jahr dazu auf, den Gesamtbetrag der variablen Vergütung zu reduzieren. In der Beliebtheitsskala ganz oben stehen bei den Instituten aber immer noch individuelle Boni, rund 80 Prozent der Banken, die nach wie vor auf variable Vergütungsbestandteile setzen, nutzen laut den Deloitte-Daten diesen Weg im Bereich der variablen Vergütung. 53 Prozent nutzen Prämien und 47 Prozent Erfolgsbeteiligungen. Zudem zeigen die Daten, dass 67 Prozent der Institute, die variable Vergütungen im Einsatz haben, diese für alle Mitarbeiter nutzen. 13 Prozent differenzieren dabei nach bestimmten Mitarbeitergruppen. "Einen Anstieg der variablen Vergütung sehen wir aktuell nur im Bereich der höchsten Berufsstufe", beobachtete man laut Julia Groiß, Senior Consultant Human Capital bei Deloitte.

Allerdings weist Stelzhammer auch darauf hin, dass Prozesse und Kriterien für variable Vergütungen bei vielen Instituten laufend überarbeitet werden. Seit Einführung der Regulatorien zur variablen Vergütung gab es immer wieder große Änderungen in den einzelnen Instituten. "Fast drei Viertel der Institute ohne variable Vergütung hatten in der Vergangenheit variable Bezüge, die zwischen 2012 und 2015 abgeschafft wurden", berichtet die Deloitte-Managerin weiter. (gp)


Den vollständigen Artikel lesen Sie in Ausgabe 4/2021 von FONDS professionell. Angemeldete Nutzer können ihn auch hier im E-Magazin lesen.