Der österreichische Bankensektor musste in der Pandemie einen signifikanten Gewinneinbruch hinnehmen, hat laut der Österreichischen Nationalbank (OeNB) jedoch auch seine Krisensicherheit bewiesen. Die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen und privaten Haushalte wurde auch von staatlichen Maßnahmen unterstützt, wovon die Banken indirekt profitierten. Die Verschuldung von Unternehmen und Haushalten ist dabei allerdings gestiegen, berichtet die OeNB anlässlich der Präsentation der 41. Ausgabe des Financial Stability Report. Daher rückt nun insbesondere die Nachhaltigkeit der Immobilienkreditvergabe in den aufsichtlichen Fokus.

Verschuldungsquote stark gestiegen
Die Verschuldungsquote der privaten Haushalte verzeichnete im Zuge der Pandemie den stärksten Zuwachs seit 15 Jahren. Die Zunahme ging sowohl auf eine höhere Kreditaufnahme als auch auf gesunkene Einkommen zurück. Während die Konsumkredite im Einklang mit dem rückläufigen Konsum langlebiger Konsumgüter erheblich zurückgingen, blieb das Wachstum der Wohnbaukredite angesichts günstiger Finanzierungsbedingungen und der anhaltenden Nachfrage nach Wohnraum bis zuletzt hoch.

Kriterien für nachhaltige Immobilienkreditvergabe werden überschritten
Obwohl manche Unterstützungsmaßnahmen bereits ausgelaufen sind, zeigt die Kreditqualität bei den österreichischen Banken derzeit noch keine Verschlechterung. Das historisch niedrige Zinsumfeld, aber auch die geänderten Ansprüche an das Wohnen als Folge der Pandemie, haben eine starke Kredit- und Preisdynamik im Wohnimmobilienbereich hervorgerufen. Dabei ist ein signifikanter Anteil der neu vergebenen Kredite weiterhin variabel verzinst. Die aktuellen Vergabestandards für Wohnimmobilienkredite überschreiten zunehmend die Kriterien für nachhaltige Immobilienkreditvergabe des Finanzmarktstabilitätsgremiums (FMSG).

"Bereits mehr als die Hälfte der Neukredite wird mit weniger als 20 Prozent eigenen Mitteln finanziert und bei einem Fünftel macht der Schuldendienst mehr als 40 Prozent des Nettoeinkommens aus", merkt Vize-Gouverneur Gottfried Haber an. Diese Entwicklungen erfordern eine erhöhte Aufmerksamkeit, um potenziell systemische Stabilitätsrisiken aus der Immobilienkreditvergabe frühzeitig hintanzuhalten. Die OeNB empfiehlt den österreichischen Banken daher nachhaltige Kreditvergabestandards einzuhalten, insbesondere bei Wohnimmobilienkrediten gemäß der quantitativen Leitlinie des FMSG. (gp)