Nie war es für Hauskäufer günstiger, sich ihren Traum vom Eigenheim zu finanzieren. Viele Baukredite sind bereits für weniger als ein Prozent Zinsen erhältlich. Recherchen des Online-Portals "Finanz-Szene" zufolge ist die Talsohle bei den Bauzinsen in Deutschland damit jedoch noch lange nicht erreicht. Demnach denken viele Geldinstitute in der Bundesrepublik darüber nach, den Zins aufs Baugeld ins Negative zu drücken. "Natürlich wollen wir möglichst die 'Null' halten. Aber sollte es die Wettbewerbssituation erfordern, werden wir handeln und mit negativen effektiven Jahreszinsen arbeiten", sagte der Vertreter einer großen deutschen Bank dem Online-Portal.

Für Banken muss ein negativer Darlehenszins beim Baugeld kein Minusgeschäft sein. Das zeigt der Blick auf die Entwicklung der Pfandbrief-Renditen. An ihnen lässt sich näherungsweise errechnen, zu welchen Konditionen Banken ihre Immobilienkredite refinanzieren können. Bei Euro-Pfandbriefen kam es in den vergangenen Monaten zu einem regelrechten Kollaps der Renditen, berichtet Finanz-Szene. Ende Mai sackten sie unter die Nulllinie, inzwischen liegt die Rendite bei minus 0,52 Prozent. Solange sich die Institute weiterhin so extrem günstig refinanzieren können, dürften auch die Immobilienkredite günstig bleiben.

Fatale Effekte
Doch laut Finanz-Szene gibt es auch Banken, die Negativzinsen für kein wahrscheinliches Szenario halten. "Wir glauben nicht, dass die Nulllinie rasch unterschritten wird. Das ist eine Grenze, ab der die psychologischen Effekte rasch fatal werden könnten", zitiert das Online-Portal einen Mitarbeiter einer Großbank. Denn theoretisch bedeuten Negativzinsen nichts anderes, als dass Häuslebauer ihre Immobilie beleihen, mehr Geld rausbekommen als sie zurückzahlen – und diese Überschüsse wiederrum erneut zur Bank tragen, die auf Einlagen Strafzinsen zahlen muss. (fp)