"Seit Herbst haben wir die Vertriebszulassung. Nun stehen wir unmittelbar vor dem Start", sagt Patrick Linden, Managing Director und Ansprechpartner für den deutschsprachigen Raum. Man habe aus Österreich Nachfrage von semi-institutionellen Investoren und einigen Privatbanken erhalten, so Linden. Man wolle, wie in Frankreich oder Deutschland auch, mit unabhängigen Vermögensberatern zusammenarbeiten, aber ebenso versuchen, in den Bankenvertrieb zu kommen. Vorerst wird es in Österreich noch kein eigenes Büro geben.

Für drei der vier Fonds, die Rouvier aufgelegt hat, gibt es eine Vertriebszulassung in Österreich: Den konservativen Rouvier Patrimoine (Mindestens 70 Prozent Anleihen), den Évolution (Fair Value, unterbewertete Unternehmen) und den Rouvier Valeurs (Schwerpunkt Gewinnwachstum).

"Ich denke, dass der Patrimoine das Interesse der konservativen Anleger weckt und hier der meiste Zuspruch aus Österreich besteht", so Linden. Die Aktienquote in Österreich sei schließlich mit gut vier Prozent noch tiefer als in Deutschland mit über sieben oder Frankreich mit mehr als neun Prozent.

Kein Nervenzittern
Der Rouvier Patrimoine (Anlagehorizont mindestens zwei Jahre), der mindestens 70 Prozent seiner Holdings in Euro denominierte Investment Grade-Anleihen positioniert, hat seit Auflage 1991 jedenfalls kaum einmal die Nerven zittern lassen. Die kumulierte Performance seit Beginn liegt bei gut 280 Prozent, die durchschnittliche annualisierte Performance bei 5,3 Prozent. Die durchschnittliche wöchentliche Volatilität der vergangenen drei Jahre wird mit 2,6 Prozent angegeben. Mit der gezielten Aktien-Beimischung hat sich das Konzept als gewinnbringende Alternative zu einem reinen Rentenfonds erwiesen:

In den vergangenen zwei Jahren ist die Wertsteigerung in dem Fonds vor allem auf das Stockpicking im Aktienmarkt und auf das Timing zurückgegangen: BNP Paribas, Biomérieux, Rexel oder IBM und Société Générale waren mit zweistelligen Kursgewinnen und guten Dividendenerträgen im Vorjahr die größten Wertbringer. Und rund um die Brexit-Panik im Juni 2016 hat man sich groß mit Wandelanleihen von BNP Paribas und Crédit Agricole eingedeckt, die stark unter Druck gekommen waren. Banken wie BNP bieten hohe Dividenden und seien unterbewertet, heißt es bei Rouvier.

Interessant im Portfolio sind auch die CRCAM-Positionen: einige der 39 regionalen Genossenschaften der Crédit Agricole emittieren börsennotierte Anlagezertifikate. Die Institute punkten mit hohen Solvabilitäts- und Liqiditätskennzahlen und Businessplänen, die vielfach vom Tiefzinsumfeld abgekoppelt sind. Ihre Papiere liefern gleichzeitig hohe Renditen.

"Wollen eigenständig bleiben"
Die Investmentstrategie der 1986 gegründeten Rouvier orientiert sich an den Prinzipien: Nur Unternehmen, zu denen man persönlich Zugang bekommt, nachhaltiges Gewinnwachstum, dauerhafter Wettbewerbsvorteil, klare Strategie und Kauf bei hohen Kursabschlägen gegenüber dem fairen Wert. Die Fondsmanager sind am Gesellschaftskapital beteiligt, die Mitarbeiter am Unternehmensgewinn. "Wir sind keine Blackbox, wir hatten noch nie Performance Fees, und wir brauchen nicht alle drei Monate neue Fonds, damit wir neue Kunden gewinnen. Statt dessen bieten wir einen langen Track-Record und ein Managementteam das dauerhaft verantwortlich ist. Und die Gründer führen immer noch das Unternehmen", so Linden.

Rouvier verwaltet derzeit rund 1,2 Milliarden Euro. Natürlich erhalte man als kleine Gesellschaft sehr häufig Kaufangebote, sagt Guillaume Brisset, Fondsmanager und Partner, angesprochen auf die Fusionswelle unter Großen in der Branche. Aber: "Wir haben keinen Druck, da etwas zu ändern, die Unabhängigkeit ist für uns der zentrale Vorteil".

"Darauf haben wir zehn Jahre gewartet"
Über den Ausgang der Wahlen in Frankreich zeigt sich Brisset froh: "Man muss positiv hervorheben, dass die Franzosen pro Europa sind. Überhaupt gibt es eine Zeitenwende; die Bürger haben sich in vielen Ländern wieder zu Europa bekannt". Der neue französische Präsident Emmanuel Macron habe zumindest gezeigt, dass er es versteht, den Bedarf an Reformen in Frankreich zu erklären. "Man hat das zum Beispiel gesehen bei einem Treffen mit der Belegschaft eines Werkes, das geschlossen werden soll. Er wurde mit aggressiver Stimmung empfangen, hat diskutiert und ist gegangen fast mit Applaus".

Das Umfeld für Anleger in Europa lässt für ihn keine Zweifel offen: "Europa erfährt eine Erholung der Konjunktur. Der Himmel ist ganz blau, nur eine Wolke gibt es, und das sind politische Fragen. Es ist wichtig, das zu sehen. Darauf haben wir zehn Jahre gewartet. Im Zuge der europäischen Geldpolitik ist der Verschuldungsgrad der Unternehmen gefallen. Die Banken sind zwar angegriffen, aber sie haben es geschafft, sich anzupassen. Die US-Wirtschaft wächst schon seit neun Jahren. Wir denken, dass wir in Europa eine ähnliche Entwicklung vor uns haben“, so Brisset. (eml)