Die irischen Finanzaufseher sind bei einer Untersuchung der auf der Insel beheimateten, aktiven Fonds in 182 Fällen auf Unstimmigkeiten gestoßen. Dies teilte die Central Bank of Ireland (Banc Ceannais na hÉireann) mit. Dem Institut obliegt die Aufsicht über die Asset-Management-Industrie des Inselstaates. Die Republik ist nach Luxemburg die zweitgrößte Heimat europäischer Fonds. Die Zentralbank hatte sämtliche 2.550 in Irland registrierten Ucits-Vehikel untersucht, die angaben, einen aktiven Management-Ansatz zu verfolgen.

Speziell Fonds, die von mehreren Managern gelenkt werden, lieferten häufig lediglich eine Rendite ab, die der des Vergleichsindizes entspricht, lautet ein Ergebnis der Untersuchung. Dies werfe die Frage auf, ob der Multi-Manager-Ansatz mit seiner größeren Diversifikation tatsächlich einen Vorteil gegenüber passiven Investments liefere, so die Behörde. Namen von betroffenen Asset Managern nennt die Zentralbank nicht.

Private benachteiligt
Weiterhin sei in einigen Fällen aus den Prospekten oder den Pflichtinformationen für Anleger (KIID) der wahre Investmentstil des Fonds gar nicht hervorgegangen, kritisiert die Zentralbank. So stießen die Prüfer auf Fälle, bei denen der Fondsmanager strikte Risikovorgaben einhalten musste – und er somit faktisch nicht von seinem Vergleichsbarometer abweichen konnte.

Manchmal sei dies zwar aus dem Marketingmaterial hervorgegangen, das jedoch institutionellen Investoren vorbehalten blieb. Retail-Anlegern hätten somit nicht erkennen können, ob und inwieweit der als aktiv ausgewiesene Fonds tatsächlich auch von seinem Vergleichsindizes abweichen kann. Privatanleger seien hier benachteiligt worden, moniert die Dubliner Zentralbank. Mitunter sei auch gar keine Benchmark genannt worden. Anleger konnten also nicht klar die Wertentwicklung ihres Fonds mit Marktmaßstäben vergleichen.

Gebühr zehrt Renditeziel auf
Sogenannte Indexschmuser geben aktives Management vor und streichen die entsprechend höheren Gebühren ein, ohne jedoch tatsächlich von den Vorgaben der Benchmark abzuweichen. Die europäische Finanzaufsicht ESMA hatte eine Untersuchung des auch als "Closet Tracking" bezeichneten Phänomens eingeleitet. Aufsichtsbehörden aus Großbritannien oder Skandinavien waren zu ähnlichen Ergebnissen wie die Central Bank of Ireland gekommen. Die Luxemburger Aufsicht fand wiederum praktisch keine kritischen Fälle.

Die irischen Kontrolleure stießen auf weitere Mängel. So gaben Anbieter für ihre Fonds Zielrenditen an. Bei mehreren Anteilsklassen wäre diese Rendite jedoch durch eine Performance-Gebühr aufgezehrt worden. Selbst wenn der Manager seine Ziele erreicht, wären die Anleger also leer ausgegangen. Zudem bemängeln die Zentralbanker bei weiteren Fonds die Höhe der Management-Gebühren sowie eine mangelhafte, kritische Kontrolle durch die Verwaltungsräte der Vehikel.

Frist gesetzt
Bei 62 der 182 gefundenen Problemfälle hat die Aufsicht bereits die Anbieter auf Besserung verpflichtet. Bei den restlichen Gesellschaften werde dies in den kommenden Monaten erfolgen. "Dies ist die bislang größte, auf einer Datenanalyse fußende Überprüfung der Fondsbranche", sagt Derville Rowland, Leiterin der Finanzaufsicht bei der Central Bank of Ireland. "Wir werden jedem einzelnen Fall nachgehen."

Doch auch die gesamte Branche nimmt die Chefaufseherin in die Pflicht. Angesichts der aufgedeckten Mängel sollten alle Fondsanbieter ihre Prospekte und die Pflichtinformationen für Anleger laufend überprüfen und gegebenenfalls aktualisieren. Rowland setzt den Gesellschaften eine Frist bis Ende März 2020, ihre Dokumente auf den neuesten Stand zu bringen. (ert)