Am 01.11.2017 ist das Insolvenzrechtsänderungsgesetz 2017 (IRÄG 2017) in Kraft getreten. Es erleichtert deutlich die Entschuldung im Rahmen eines Privatkonkurses. Abschöpfungsverfahren dürfen seitdem nur noch maximal fünf statt davor sieben Jahre laufen; eine Mindestquote, die die Schuldner in dieser Zeit leisten müssen (früher zehn Prozent), entfällt ganz.

Rekord von über 10.000 Verfahren
Das führte laut dem Alpenländische Kreditorenverband Europa (AKV Europa) zu einem Rekord an Verfahren. Zwischen 01.11.2017 und 31.10.2018 wurden 10.114 Privatkonkursverfahren eröffnet. Das entspricht einem Plus von 52,7 Prozent zum Jahr davor. Erstmals seit Einführung des Privatkonkurses im Jahr 1995 sei innerhalb eines Jahres die Zahl von 10.000 Anträgen auf Schuldenregulierung übertroffen worden. Zum Vergleich: im Gesamtjahr 2015 waren es 8.881 Personen, 2016 8.014 und 2017 6.827.

Vor allem zwei Personengruppen haben das neue Insolvenzrecht in den vergangenen zwölf Monaten verstärkt in Anspruch genommen, nämlich finanzschwache Personen ohne Einkommen oder mit nur geringfügig pfändbaren Bezugsteilen und vormalige Unternehmer mit beträchtlichen Verbindlichkeiten zum Teil in Millionenhöhe aus einer früheren gescheiterten Selbstständigkeit.

Unternehmer mit sehr hohen Verbindlichkeiten
Die größte Privatinsolvenz im letzten Jahr ist ein beim Bezirksgericht Baden noch anhängiges Verfahren, in welchem Gläubiger Forderungen in Höhe von rund 95 Millionen Euro angemeldet haben. Beim zweitgrößten Privatkonkurs, welcher im März 2018 beim Bezirksgericht Donaustadt eröffnet wurde, betragen die Verbindlichkeiten etwa 40 Millionen Euro, wobei den Gläubigern im Rahmen eines Zahlungsplans aufgrund der hohen Passiva nur mehr eine Quote von 0,0376 Prozent angeboten werden konnte, schreibt der AKV Europa in einer Aussendung.

Die Gesamtpassiva der österreichweit eröffneten Privatkonkurse sind dementsprechend sehr stark gestiegen. Seit Jahresbeginn 2018 liegen sie bei über 1,4 Milliarden Euro. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es nur gut 597 Millionen Euro gewesen.

Drastisches Absinken der Quote erwartet
Nach Einschätzung des AKV wird in den nächsten Monaten der Anstieg der Privatkonkurse etwas abflachen, da es in den Monaten vor der Gesetzesnovelle zu Aufschiebungen gekommen war. Die neue Rechtslage werde aber zu "drastischen Quotensenkungen" in Abschöpfungsverfahren führen. Die Erleichterungen gelten übrigens auch für Abschöpfungsverfahren, die vor dem 01.11.2017 eingeleitet wurden. Dies führte dazu, dass viele Schuldner insbesondere freiwillige Zahlungen zur Erlangung der ursprünglichen Mindestquote einstellten. (eml)