Reich sein? Will ich nicht! So denkt offenbar die Mehrheit der Deutschen. In einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK gaben zuletzt gerade einmal 50 Prozent der Befragten an, dass es für sie erstrebenswert sei, wohlhabend zu sein. Im Jahr 2017 waren es 70 Prozent. "Reichtum ist in Deutschland immer noch ein Tabu. Die Menschen bevorzugen ein sozialdemokratisch basiertes Lebensmodell", kommentiert Markus Richert, Senior-Berater beim Kölner Vermögensverwalter Portfolio Concept. "Dahinter steht ein tief verankertes Bewusstsein, dass der Staat für die Menschen zu sorgen hat."

Denken und handeln sind allerdings zwei Paar Schuhe. Soziologen sagen: Reich ist, wer nicht arbeiten muss. Nach dieser Definition ist die Zahl der vermögenden Deutschen zuletzt gestiegen – trotz des weit verbreiteten Argwohns gegenüber Reichtum und trotz der niedrigen Zinsen. Es gibt heute deutlich mehr Privatiers als früher, berichtet Richert, Menschen also, bei denen Kapitaleinkünfte den Hauptteil des Einkommens ausmachen. Seit dem Jahr 2000 hat sich ihre Zahl in der Bundesrepublik auf rund 630.000 Personen verdoppelt. Privatiers haben ihr finanziell sorgenfreies Leben vor allem der Art ihrer Kapitalanlage zu verdanken, erklärt der Vermögensprofi. "Ihr Geld liegt dort, wo es Rendite bringt."

Deutschland spart sich arm
Reiche Deutsche besitzen oft Immobilien, die sie vermieten, und investieren überdies langfristig an der Börse. Aktien, Anleihen und Fonds stehen in ihrer Gunst weit oben. "Die große Mehrheit der Bevölkerung ignoriert aber nach wie vor die Chancen, die der Kapitalmarkt bietet, und spart sich arm", klagt Richert. So ist die Sparleistung der Bundesbürger zwar beachtlich – Rendite wirft das Ersparte aber kaum ab. "In Deutschland bevorzugen zu viele Menschen bei der Geldanlage sehr sichere Formen wie Bankeinlagen, Staatsanleihen oder mündelsichere Papiere", sagt der Anlageexperte.

Durch ihre Vorliebe für Sparbuch, Tagesgeld und Co. fallen die Deutschen im internationalen Vermögensvergleich immer weiter zurück. "Weltweit sind die Vermögen in den letzten Jahren gestiegen", sagt Richert. Rund 80 Prozent dieses Zuwachses gehen auf die gute Entwicklung an den Finanzmärkten zurück. "Diese Kursgewinne vor allem am Aktienmarkt dürften an vielen Deutschen vorbeigegangen sein. Es wird dringend Zeit, dass der deutsche Sparer aufwacht und sein Sparverhalten den aktuellen Gegebenheiten anpasst", sagt der Experte. Selbst wenn dies das Risiko birgt, ungewollt reich zu werden. (fp)