Analyse: Lohnt sich die Aktienabsicherung mit Optionen?
Aktienportfolios mit Optionen abzusichern, ist meist keine gute Idee. Das zeigt eine Untersuchung von HQ Trust. Gute Diversifikation ist demnach in den meisten Szenarien die bessere Strategie.
Wenn die Unsicherheit an den Märkten steigt, denken viele Anleger reflexartig darüber nach, ihr Portfolio mit Optionen abzusichern. Klingt smart, ist es aber meist nicht. Das zeigt eine Analyse von Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege bei HQ Trust. Langfristig koste die Absicherung einiges an Rendite, und die gewünschte Reduktion der Abwärtsrisiken ließe sich mit einer geringeren Aktienquote einfacher erreichen – und das bei gleicher Rendite.
Untersuchung für drei Anlegertypen
Der Kapitalmarktstratege vergleicht in seiner Analyse drei hypothetische Anleger im Zeitraum von Ende 1999 bis April 2026. Der Erste: Ein klassischer Buy-and-Hold-Anleger, der 100 Prozent im S&P 500 investiert ist. Der Zweite: Ein Anleger, der jeweils zum Jahresanfang für jeden seiner S&P-500-ETF-Anteile Put-Optionen mit einjähriger Laufzeit kauft – mit einem Ausübungspreis, der zehn Prozent unter dem aktuellen Kursniveau liegt. Diese sogenannte Buffer-Strategie soll starke Kursverluste abfedern. Der Dritte ist ein Investor, der schlicht dauerhaft eine geringere Aktienquote hält: Seine 70 Prozent im S&P 500 kombiniert er mit 30 Prozent US-Staatsanleihen. In allen Fällen wurde mit US-Dollar-Total-Return-Renditen gerechnet.
Dabei lagen über den gesamten Analysezeitraum die Buffer-Strategie und das Portfolio mit reduzierter Aktienquote bei exakt derselben Rendite von annualisierten 6,7 Prozent. Dagegen hätte der Buy-and-Hold-Anleger mit seinem reinen S&P-500-Investment 7,5 Prozent erzielt. "Der Schutz kostete also in beiden Fällen rund 0,8 Prozentpunkte pro Jahr", so Kielkopf.
Ruhiger geschlafen hätten die vorsichtigeren Anleger aber durchaus: Die Volatilität lag mit der Buffer-Strategie bei 9,5 Prozent pro Jahr, mit reduzierter Aktienquote bei 10,5 Prozent. Beides ist deutlich weniger als beim reinen Aktieninvestor, der hier auf 15,2 Prozent pro Jahr kommt. Beim zwischenzeitlich maximalen Verlust war das Ergebnis ähnlich eng: minus 37,3 Prozent für die Optionsstrategie gegenüber minus 36,7 Prozent für das einfache Mischportfolio. Bei Buy & Hold lag der maximale Drawdown mit minus 51,4 Prozent deutlich höher.
Kaum Vorteile durch Optionen, aber Kosten
Kielkopf zieht daraus den Schluss: "In den meisten Krisenjahren gab es keinen Vorteil durch den Einsatz von Optionen: In typischen Abschwungjahren schnitten beide Strategien ähnlich ab." Nur in Extremkrisen glänzt die Buffer-Strategie. Doch die meisten Korrekturen fallen deutlich moderater aus. Dann liegen beide Absicherungsstrategien so nah beieinander, dass sich der Aufwand des Optionskaufs schlicht nicht lohnt. Zudem koste eine Absicherung mit Puts laufend Prämien – auch in den vielen Jahren, in denen der Markt steigt.
Für ihn steht fest: "Eine Aktienabsicherung mit Optionen wirkt intuitiv richtig, lohnt sich langfristig aber meist nicht. Die laufenden Kosten drücken die Rendite, während der Schutz nur in wenigen Extremfällen von Vorteil ist." Wer sein Risiko reduzieren möchte, erreiche ein ähnliches Ergebnis deutlich einfacher: mit einer niedrigeren Aktienquote. Noch besser sei ein gut diversifiziertes Portfolio über mehrere Anlageklassen mit dem man auch für die meisten Krisen gut aufgestellt ist – und das ganz ohne laufende Prämienkosten und Timing-Risiken beim Rollen der Positionen. (jh)















