Immer mehr Anleger möchten ihr Geld in ESG-Fonds investieren, ab dem 2. August müssen Finanzberater Kunden explizit zu ihren Nachhaltigkeitspräferenzen befragen. Bei Asset Managern ist es inzwischen gang und gäbe, kenntlich zu machen, wie nachhaltig ein Sondervermögen aufgestellt ist. Die Ratingagentur Scope hat sich nun aber angeschaut, wie weit Asset Manager die ESG-Aspekte in ihre gesamten Prozesse bereits integriert haben. 

"Es geht ausdrücklich nicht um einzelne Fonds, sondern um den Anbieter als Ganzes", schreiben die Autoren der Studie. Scope hat untersucht, wie stark das Thema Nachhaltigkeit eine Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) durchzieht, wie intensiv das Thema also gelebt wird. Das beste Ergebnis erzielt die US-Investmentgesellschaft Federated Hermes. Es folgen Candriam und Neuberger Berman, Robeco landet auf dem vierten Platz (siehe Tabelle). 
 

Große Asset Manager mit hoher ESG-Integration

Quelle: Berechnungen von Scope Research, Institutional Money, Anbieter


30 internationale Gesellschaften, zwölf deutsche Häuser
Für die Untersuchung hat Scope in erster Linie die Berichte ausgewertet, die Unterzeichner der UN-Investoreninitiative PRI (Principles for Responsible Investment) jährlich an die Vereinten Nationen (UN) übermitteln. Darüber hinaus hat die Ratingagentur weitere Materialien unter die Lupe genommen, in denen KVGn über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen Auskunft geben. Analysiert wurden die Angaben von 30 internationalen Fondsgesellschaften und zwölf großen deutschen Häusern, die zusammen knapp 44 Billionen Euro verwalten.

Für die Studie wurden insgesamt 58 Themenkomplexe betrachtet. Sie betreffen den Investmentprozess und die Unternehmensführung ebenso wie das Engagement, also die Einflussnahme auf Portfolio-Unternehmen mit dem Ziel, sie zu einem nachhaltigeren Handeln zu bewegen. Abhängig vom Umfang der ESG-Bemühungen wurden Punkte vergeben, deren Anzahl desto höher ausfiel, je mehr Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt wurden.

Keine makellose ESG-Integration 
Die Auswertung zeigt: Eine makellose ESG-Integration gelingt keinem der analysierten Anbieter. Dazu seien die von Scope gesetzten Anforderungen zu hoch gewesen, heißt es in der Studie. "Einige große Gesellschaften befinden sich jedoch auf einem guten Weg und beweisen, dass sie mit den wachsenden Anforderungen an nachhaltiges Investieren Schritt halten können", schreiben die Experten. Diese Gesellschaften hätten ihre ESG-Integration weit vorangetrieben.

"Fragen nach dem Ausmaß der Nachhaltigkeitsbemühungen haben unter dem Eindruck der jüngst zunehmenden Vorwürfe, die Gesellschaften würden sich 'grüner' darstellen als sie sind, noch einmal an Bedeutung gewonnen", sind die Scope-Autoren überzeugt. Wenn immer mehr Anbieter – egal, ob aus Deutschland oder Übersee – beschuldigt werden, sie würden Greenwashing betreiben, zeige das, wie dringlich und relevant ein Blick auf die ESG-Integration eines Asset Managers ist. (am)