Amundi will abseits des Fondsgeschäfts künftig als Technologieanbieter auftreten. Auch in Österreich. Das sagt Gabriele Tavazzani, seit einem Jahr CEO der Amundi Austria KAG, in einem Interview das in voller Länge in der neuen Printausgaben von FONDS professionell erscheint. Amundi Austria wolle österreichische Finanzbetriebe für "Alto" gewinnen: Die neue IT- und Softwareplattform von Amundi ist ein Konkurrenzprodukt zu "Aladdin" des US-Riesen Blackrock. Alto soll die Wertschöpfungskette von Vermögensverwaltern über Fondsmanager bis hin zum Bankvertrieb abdecken.

"Wenn ich mit österreichischen Banken oder Finanzunternehmen rede, merke ich: Kaum jemand weiß, dass wir auch Service- und Technologielieferant sind und unsere Lösungen auch externen Kunden anbieten", so Tavazzani. Das neue Geschäftsfeld soll mit einem Umsatz von 150 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren ein Wachstumstreiber für Amundi werden.

Diskretionäre Mandate als wichtiger Trend
Europaweit würden 24 Kunden mit Alto arbeiten. In Österreich gibt es derzeit einen Testpiloten für einen institutionellen Kunden. Außerdem arbeitet Amundi mit einem Partner an einer Lösung für diskretionäre Mandate. "Das ist ein wichtiger Trend. Wenn der Kunde ein Mandat eröffnet und mit dem Betreuer ein Portfolio definiert, kann die Personalisierung sehr effizient über unsere Plattform verwaltet werden. Kunden haben damit Zugang zu einer Finanzdienstleistung, die normalerweise auf sehr wohlhabende Kunden beschränkt ist", so Tavazzani.

Alto soll kommendes Jahr in Österreich "startklar" sein. "Es soll dann in den kommenden zwei Jahren drei Implementierungen in Österreich geben", so Tavazzani. Chancen für das eigene Tool sieht Amundi insbesondere bei Unternehmen, die bei der Software mit Fintechs kooperieren. Bei Start-ups gebe es mitunter Fortbestandsfragen oder die Lösungen seien teurer, weil für jedes Update zu zahlen sei.

Akademie für Vertriebspartner und später auch für den Markt
Neu ist auch die Implementierung der "Amundi Academy". Das digitale Schulungsprogramm sei bereits bei einigen Vertriebspartnern in Frankreich, Italien und Spanien im Einsatz. Die Offenlegungsverordnung habe die Entwicklung beschleunigt. Man starte mit dem Ausrollen der Plattform bei den österreichischen Bankpartnern, so Tavazzani, "aber wir sehen das auch als Lösung für externe Vertriebe, die mit unseren Produkten arbeiten".

Punkto Nachhaltigkeit wolle Amundi in Österreich das Angebot deutlich ausbauen. Mehr als 80 Prozent der Amundi-Österreich-Fonds fallen derzeit unter die Kategorie Artikel 8 oder Artikel 9 der Offenlegungsverordnung ("hellgrüne" und "dunkelgrüne" Fonds). Im Jahr 2022 wolle man "definitiv bei 100 Prozent" liegen. Auch bei ETFs besteht Fantasie: Amundi übernimmt den ETF-Anbieter Lyxor von der Société Générale. (eml)


Das gesamte Interview erscheint in der FONDS professionell-Printausgabe 2/2021 und ist im E-Magazin nachzulesen.