Ab Mittwoch (10. März) verlangt die EU-Disclosure-Verordnung erste Offenlegungsschritte von den Finanzberatern und Finanzmarktteilnehmern (FONDS professionell ONLINE berichtete). Wenig bekannt ist, dass nun auch die Emittenten ihre Produkte bezüglich der Nachhaltigkeit kategorisieren müssen.

Martin Kwauka, Initiator des Finanzjournalistenforums, klärte in einer gemeinsamen Online-Veranstaltung mit den Finanzdienstleistern in der WKO auf: Unter "Artikel 8" werden sogenannte "hellgrüne Produkte" eingeordnet. Sie weisen eine explizite Nachhaltigkeits-Strategie aus. Laut Verordnung fällt darunter alles, sobald Nachhaltigkeitsmerkmale beworben werden. "Artikel 9" wiederum beschreibt die höchste Kategorie; hier sind Investitionen mit messbarem Einfluss (Impact), sogenannte "dunkelgrüne Produkte", zu finden. Alle anderen (konventionellen) Produkte werden umgangssprachlich als "grau" oder "farblos" bezeichnet. Kwauka bezeichnet sie als "Artikel 6-Produkte".

Aktive Nachfrage wird zum Problem für konventionelle Fonds
Für sie dürfte es besonders ab kommendem Jahr schwierig werden. "Ab 2022 müssen die Kunden aktiv gefragt werden, ob sie bei Fonds oder Lebensversicherungen eine nachhaltige Strategie wünschen. Wenn die Antwort 'Ja' ist, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass diese konventionellen Produkte nicht mehr angeboten werden dürfen", so Kwauka. Es sei davon auszugehen, dass solche Fonds oder Versicherungsangebote dann einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil hätten. Bereits jetzt ist es ja schon so, dass Finanzberater Nachhaltigkeitsbedürfnisse ihrer Kunden berücksichtigen müssen, wenn diese eine Präferenz zeigen.

Die meisten Anbieter ordnen offenbar momentan ihre "grünen" Produkte unter "Artikel 8" ein; eine "Artikel 9"-Einstufung wird aufgrund der hohen Berichtserfordernisse eher vermieden, wie Kwauka in einer Erhebung unter mehreren Anbietern festgestellt hat. Diese zeigt große Unterschiede. Amundi etwa hat in Österreich neun Publikumsfonds laut "Artikel 6" klassifiziert, und bereits 28 nach "Artikel 8", so wie vier nach "Artikel 9". Bei Erste Asset Management und Raiffeisen Capital Management (RCM), deren Publikumspalette hierzulande größer ist, fällt hingegen der allergrößte Teil unter die konventionelle EU-Kategorie. Die höher bewerteten "Artikel-8-Fonds" machen grob gesprochen nur ein Drittel aus. Erste AM hat weiters fünf "Artikel- 9-Fonds", RCM zwei.

Unter den Versicherungen wiederum hat die Allianz als einziges der befragten Institute auch die klassische Lebensversicherung als nachhaltig laut "Artikel 8" eingestuft. In der Fondsgebundenen zeigt sich, dass zwar der Anteil herkömmlicher Fonds weiter meist den größten Teil ausmacht, aber viele Versicherungen offenbar hier sehr bewusst vorgehen und manche ein sehr hohes Verhältnis von nachhaltigen gegenüber konventionellen Angeboten aufweisen.

Wer prüft das alles?
Anbieter müssen die Kriterien selbst begründen. Und vorerst gibt es in Österreich auch noch keine gesetzliche Festlegung, wer diese Einteilung kontrolliert. Möglicherweise wird es die FMA werden, wie bei der Onlineveranstaltung zu hören war. Möglicherweise schauen auch die Wirtschaftsprüfer drüber, wie Kwauka erklärt. (eml)