Mit einer subtilen Demonstration der über die Jahre aufgebauten Netzwerkqualität feierte der Fachverband der Finanzdienstleister diese Woche sein 25-jähriges Gründungsjubiläum: Statt der bei solchen Anlässen nicht unüblichen Selbstschau luden Obmann Hannes Dolzer und Geschäftsführerin Helya Sadjadian Mitstreiter, aber auch Vertreter ständiger Konfliktparteien als Festredner; etwa Finanzmarktaufsicht (FMA) oder Arbeiterkammer (AK) und Datenschutzbehörde (DSB). Die Botschaft: Differenzen werden auf einer guten Redebasis ausgetragen.

Birgit Puck, Leiterin des Bereichs Wertpapieraufsicht in der FMA, verwies auf die parallele Entwicklung der 2002 eingerichteten FMA und der Finanzdienstleister. "Es war auch für die Aufsicht eine Lernzeit", sagte Puck. Nicht immer habe Einigkeit bestanden, der Austausch sei jedoch stets konstruktiv gewesen. Besonders nach der Finanzkrise habe die Branche einen Professionalisierungsschub erlebt. Einen wichtigen Meilenstein hätten die 2013 eingeführten Standesregeln dargestellt.

Koordination mit Maklern und Agenten
Auf der Erfolgsliste des Fachverbands steht auch, dass Gräben zwischen anderen Fachverbänden geschlossen wurden. In den vergangenen Jahren seien die Gemeinsamkeiten stärker in den Vordergrund gerückt, wie Christoph Berghammer, Obmann der Versicherungsmakler, und Horst Grandits, Obmann der Versicherungsagenten, erklärten. Ein abgestimmtes Verhandeln standespolitisch wichtiger Themen – zumal auf EU-Ebene – werde immer wichtiger.

Christian Eltner, Fachverbandsgeschäftsführer der Versicherungsunternehmen, verwies ebenfalls auf die gemeinsamen Interessen, etwa in der privaten Vorsorge. Nicht nur auf Erreichtes blickte Wolfgang Göltl, Gründungsobmann der Finanzdienstleister, in seinen Grußworten. Es schmerze ihn, dass die vom Fachverband bei der Politik seit Beginn geforderte Finanzbildung in den Schulen noch nicht ausreichend umgesetzt worden sei.

Gestaltungswille
Angelika Sery-Froschauer, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, hob den hohen Gestaltungswillen der Branche bei innovativen Themen hervor. Diesen hätten die Finanzdienstleister zuletzt bei der Integration der Kryptowerte unter Beweis gestellt.

Finanzdienstleisterobmann Hannes Dolzer ließ in seiner Ansprache eine lange To-Do-Liste durchblicken. Es sei wichtig, rasche Lösungen für dringende Themen zu finden. Gemeint dürfte da auch der ungeklärte Kostenstreit mit der FMA sein. "Ich glaube, wir finden eine Lösung", sagte Dolzer dazu.

Rasch reagieren
Man müsse es künftig mehr schaffen, der Politik zu kommunizieren, dass es nicht wegen einiger weniger schwarzer Schafe neue Regulierungen und Einschränkungen brauche. "Die, die die Regeln nicht einhalten, tun es auch bei strengeren Vorgaben nicht", so Dolzer.

Gelöst werden müssten auch Probleme wie der Bankenzugang für Unternehmen, die eine Lizenz als CASP (Crypto Asset Service Provider) erworben haben. Diese müssen oft zu ausländischen Banken gehen, weil die österreichischen Banken sie nicht nehmen. (eml)