Große Versicherer sollten lieber mit Start-ups zusammenarbeiten, statt sie zu akquirieren, sagt Giovanni Giuliani, Strategie- und Innovationschef der Zurich Insurance Group, in einem Interview mit dem "Handelsblatt". "Wenn wir eine Firma sehen, die eine spannende Lösung für die Branche gefunden hat, würden wir uns das ansehen. Aber Akquisitionen sind nicht der einzige Weg in die Zukunft", so Giuliani. 

Eine Zusammenarbeit sei in Zeiten der Digitalisierung sowohl für Jungunternehmen als auch für einen etablierten Versicherungskonzern wie Zurich eine Win-win-Situation. Start-ups seien agil und schafften es, Lösungen für sich schnell verändernde Kundenbedürfnisse zu ersinnen, während traditionelle Konzerne eine breite Kundenbasis, globale Reichweite und Branchenerfahrung mitbringen. "Auch das finanzielle Risiko ist geringer, wenn es dann doch nicht klappt", konstatiert Giuliani. 

Umwälzende Veränderungen
Zurich-Chef Mario Greco hält den digitalen Wandel für einen perfekten Sturm, den nicht alle Versicherungsunternehmen überleben werden. Giuliani sieht das ähnlich: "Wenn Versicherer nicht innovativ sind, werden sie austauschbar. Austauschbare Firmen werden jedoch niemals Marktführer." Es sei indes keine Lösung, einfach kleinere Anbieter aufzukaufen. 

Wie viele andere Branchen auch durchlebe die Versicherungsbranche derzeit einen Wandel, der ähnlich groß ist wie einst die industrielle Revolution, stellt Giuliani fest: "Ich bin überzeugt, dass moderne Technologie wie Künstliche Intelligenz die Branche stark verändern werden." Kunden und Versicherer könnten profitieren – wenn die Konzerne sich umfassend mit den neuen Möglichkeiten befassen. (fp)