Der Interessensverband der Versicherungsagenten (IVVA) macht die Mehrfachagenturen auf zwei wichitge rechtliche Details aufmerksam. Zum einen haben Mehrfachagenten vor der Produktempfehlung einen umfangreicheren Auswahlprozess. Sie müssen die Auswahl eines Versicherungsproduktes aus dem Pool aller vertretenen Versicherungsunternehmen treffen, heißt es in einer Aussendung.

Empfehlung muss sich auf alle Versicherungsunternehmen beziehen
Hintergrund sind die im Vorjahr eingeführten Standes- und Ausübungsregeln. Diese verpflichten die Vermittler, die Wünsche und Bedürfnisse zu ermitteln. Zusätzlich muss jeder Vermittler den Kunden beraten und erklären, warum ein ganz bestimmtes Produkt seinen Wünschen und Bedürfnissen am besten entspricht (§§ 2 und 3 der Standesregeln).

"Die Anwendung der §§ 2 und 3 der Standesregeln bedeutet, dass sich die Empfehlung, also die Auswahl von Versicherungsverträge auf alle von der Agentur vertretenen Versicherungsunternehmen erstrecken muss", heißt es bei der IVVA. Daher sei – je nach Umfang der Agenturverträge – eine umfassende Überprüfung im Vorfeld nötig. Unterbleibt das, drohen Haftungsprobleme: Es könne eine nicht korrekte Beratung schlagend werden, warnt der Verband.

Versicherer könnte Agentur ohne Geschäft kündigen
Auch ein zweiter Grund spricht laut IVVA dafür, die Zahl der Agenturverträge "auf einem vernünftigen Maß zu halten": Jede Agentur sei gegenüber dem Versicherer verpflichtet, sich um die Vermittlung oder den Abschluss von Geschäften zu bemühen (§ 5 HVertrG). Wie viele Abschlüsse man genau vorlegen muss, um die Pflicht zu erfüllen, sei nicht definiert. Wenn ein Vermittler jedoch "nach erheblicher Zeit" kein Geschäft für einen Versicherer gemacht hat, bestehe die Gefahr einer Kündigung nach § 22 HVertrG. Dadurch könne man sämtliche Provisionen verlieren. (eml)