Die Raiffeisen Bank International (RBI) bereitet sich darauf vor, Zentralasien zu einem neuen Wachstumsschwerpunkt zu machen – und erwägt Übernahmen. Das berichten mit den Plänen vertraute Personen, so die Nachrichtenagentur "Bloomberg". Gleichzeitig nähert sich das Zentralinstitut der Raiffeisenlandesbanken dem Erhalt einer Zahlung über 3,15 Milliarden Euro, die mit seiner russischen Tochtergesellschaft verbunden ist.

Kasachstan und weitere Länder der Region sollen als neue Wachstumsmärkte benannt werden, wenn Vorstandschef Michael Höllerer in den kommenden Wochen die aktualisierte Strategie der RBI vorstellt. Die Personen wollten nicht genannt werden, da die Pläne noch nicht offiziell bekannt gegeben wurden.

Zukäufe grundsätzlich denkbar
Übernahmen könnten das Wachstum der Bank in Zentralasien beschleunigen. Derzeit führe das Unternehmen jedoch noch keine Verhandlungen mit konkreten Übernahmezielen, hieß es. "Westliche Unternehmen richten ihre Lieferketten neu aus, und gleichzeitig orientieren sich die Länder Zentralasiens zunehmend nach Westen", erklärte ein Sprecher von Raiffeisen auf Anfrage von "Bloomberg". "Im Rahmen unseres Strategieprozesses werden wir prüfen, wie wir auf diese Entwicklungen reagieren können."

Höllerer hatte nach seinem Amtsantritt im Juli angekündigt, Österreichs zweitgrößte Bank neu auszurichten. Das Institut hatte sich in den vergangenen Jahren wegen der Beschränkungen für sein Russlandgeschäft unterdurchschnittlich entwickelt. Die Maßnahmen waren nach dem Einmarsch des Kremls in die Ukraine im Jahr 2022 verhängt worden.

Milliardenbetrag aus Versäumnisurteil
Eine Expansion nach Zentralasien dürfte durch einen milliardenschweren Sonderzufluss unterstützt werden. Dieser geht auf ein Versäumnisurteil eines österreichischen Gerichts zurück, durch das Vermögenswerte von Rasperia Trading auf Raiffeisen übertragen werden. 

Die Zahlung von 3,15 Milliarden Euro wäre das erste Geld, das Raiffeisen – wenn auch indirekt – aus ihrer einst profitabelsten Tochtergesellschaft in Russland herauslösen könnte. Die Aussicht auf den Mittelzufluss hat zu einem Kursanstieg der RBI-Aktie von 71 Prozent in diesem Jahr beigetragen. Damit weist sie die beste Entwicklung im Bankenindex Stoxx Europe 600 auf.

Weitere Übernahmen in Arbeit
Raiffeisen steht zudem vor dem Abschluss der Übernahme des rumänischen Geschäfts der spanischen Großbank BBVA für 591 Millionen Euro. Hinzu kommt die geplante Übernahme des auf Privatkunden spezialisierten Balkan-Instituts Addiko. Diese Transaktion könnte zunächst bis zu 517 Millionen Euro kosten.

Im Juni erweiterte die RBI den Zugang für Anleger zu usbekischen Wertpapieren, darunter auch Staatsanleihen. In Kasachstan betreibt die Bank bereits ein kleines Leasinggeschäft.

Zentralasien könnte wegen der starken Position der RBI in der Handelsfinanzierung und im Zahlungsverkehr grundsätzlich gut zum Konzern passen. Raiffeisen könnte zudem ihre jahrzehntelange Erfahrung im benachbarten Russland nutzen. Gleichzeitig bemüht sich die Bank weiterhin um einen Verkauf ihrer russischen Tochtergesellschaft und fährt das dortige Geschäft zurück. (mb/Bloomberg)