Der Skandal um den deutschen Zahlungsdienstleister Wircard nimmt bislang unvorstellbare Ausmaße an. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt bereits wegen des Betrugsverdachtes gegen ehemals führende Führungskräfte. Die Ermittler werfen nun konkret mehreren Ex-Topmanagern, unter ihnen Ex-Vorstandschef Markus Braun, gewerbsmäßigen Betrug vor. Braun wurde daher gestern (22. Juli) festgenommen. Ende Juni war er bereits einmal festgesetzt worden, dann aber gegen Kaution wieder auf freien Fuß gekommen. 

Auch zwei weitere andere hochrangige Ex-Managers des immer noch im Dax gelisteten Konzerns, sind von den deutschen Behörden in Haft genommen worden. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) und fügt an, dass Brauns Anwalt für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war. Vor rund einer Woche war eine andere Ex-Wirecard-Führungskraft verhaftet und in Untersuchungshaft genommen worden.

Intensive Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörde
"Die bisherigen intensiven Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I haben ergeben, dass der den Beschuldigten zur Last zu legende Sachverhalt erheblich erweitert werden muss", zitiert die SZ die Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Dies habe insbesondere mit Aussagen eines Kronzeugen zu tun, aber auch mit neuen Unterlagen.

Damit stehe mittlerweile fast die gesamte frühere Führungsspitze des in Aschheim bei München ansässigen Konzerns im Verdacht, den Bilanz-Schwindel aufgebaut zu haben. Die Staatsanwaltschaft berichtet nach Darstellung der SZ, dass Wirecard ein streng hierarchisches System gewesen sei, "geprägt von Korpsgeist und Treueschwüren gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden als Führungsperson." Die Ermittlungen hatten sich zunächst auf Konzernchef Braun, den weiterhin flüchtigen Vorstand Jan Marsalek sowie einen weiteren Manager konzentriert.

Das Unternehmen musste am 18. Juni einräumen, dass Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro "mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen". Anfang Juli wurde der bekannte Jurist Michael Jaffè zum Insolvenzverwalter ernannt. Er wacht unter anderem auch über das Insolvenzverfahren des Container-Anbieters P&R, dessen aufsehenerregende Pleite zu den größten Finanzskandalen Deutschlands zählt. (jb)