Im Fall Wirecard rücken nun österreichische Banken und der Finanzvertrieb ins Zentrum. Die Kanzlei Aigner, Lehner, Zuschin und Partner, die geschädigte Anleger vertritt, prüft unter anderem, ob die Kreditinstitute eigene Risiken abgewälzt haben, indem sie ihren Kunden Zertifikate mit Wirecard als Basiswert verkauft haben, sagt Rechtsanwalt Roman Taudes.

Vertrieb teils noch im Mai
Österreichische Banken, die der Wirecard AG Kredite gegeben haben, hätten gleichzeitig ihren Kunden Anleihen oder Zertifikate mit Wirecard als Basiswert verkauft, so Taudes gegenüber FONDS professionell ONLINE. "Da könnte man auf die Idee kommen, dass das Risiko umgeschichtet wird. Man muss sich diesen bestehenden Interessenskonflikt anschauen", so Taudes. Teilweise seien Wirecard-Zertifikate noch im Mai vertrieben worden, so der Experte. Damals gab es bereits zahlreiche Berichte über massive Probleme im Konzern; eine Bafin-Untersuchung war im Gange.  

Generell werde man sich daher den Aspekt der Vermittlung solcher Produkte ansehen. Im Fokus stünden nicht nur die Banken sondern auch die einzelnen Berater. Viele Derivate haben ein höheres Risiko, sind schwer verständlich und für die meisten Sparbuchsparer nicht geeignet. Dazu kommt, dass Wirecard als Basiswert in den letzten Jahren immer hohe Schwankungen hatte. Auch gab es bereits seit langem Berichte der Financial Times über Unregelmäßigkeiten. "Man muss generell schauen, ob bei der Vermittlung diese Aspekte berücksichtigt wurden", sagt Taudes.

Österreichische Banken
Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat vor einigen Wochen eine Liste von Banken veröffentlicht, die der Wirecard AG Kredite gegeben hatten. Darunter befanden sich auch die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (Kredithöhe 60 Millionen Euro) und die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (45 Millionen Euro). Die RLB-NÖ-Wien gibt aufgrund der Wahrung des Bankgeheimnisses keine Auskünfte, ob jemand Kunde ist, die RLB-OÖ antwortete vorerst nicht. (eml)