Der Bilanzskandal rund um mutmaßliche Scheinbuchungen in Milliardenhöhe beim deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard reißt auch die Österreich-Tochter mit in die Insolvenz. "Die Wirecard Central Eastern Europe GmbH hat mit heutigem Tag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim LG für ZRS Graz gestellt", teilt der Alpenländische Kreditorenverband mit. Es wurde ein Konkursverfahren eröffnet.

70 Gläubiger betroffen
Betroffen sind rund 70 Gläubiger und 152 Dienstnehmer, wie es beim Kreditschutzverband KSV 1870 heißt. Es werden Passiva in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro angegeben. Dem stehen Eigenmittel in Höhe von 1,7 Millionen Euro gegenüber, wobei es sich hier hauptsächlich um Rückstellungen handeln dürfte, wie die Experten vom Alpenländischen Kreditorenverband erklären. Eine Fortführung des Unternehmens sei offenbar nicht angedacht, das Unternehmen werde voraussichtlich liquidiert.

Der Sitz der österreichischen Gesellschaft mit ihren Geschäftsführern Roland Toch und Aman Curt Chadha ist in Graz, ein weiterer Standort befindet sich in Wien. Als Insolvenzverwalter wurden die Wiener Rechtsanwältin Ulla Reisch und als Stellvertreter Herbert Ortner, Rechtsanwalt in Graz, bestellt. Die Anmeldefrist für Forderungen ist der 18. August 2020.

Uneinbringliche Forderungen gegenüber Wirecard-Töchtern
Insolvenzursache sind die Entwicklungen der Mutter in Deutschland. Es gebe erhebliche Forderungen aus erbrachten Dienstleistungen insbesondere gegenüber zwei mittlerweile ebenso insolventen Unternehmen aus Deutschland (Wirecard Technologies GmbH bzw. Wirecard AG), die uneinbringlich seien. Der deutsche Dax-Konzern meldete kürzlich ein vorläufiges Insolvenzverfahren an. (eml)