Im Wirecard-Skandal gibt es wieder Neuigkeiten. In Österreich wurde nun eine erste Klage gegen den aus Österreich stammenden Ex-Chef Markus Braun eingebracht, berichtet orf.at. "Auf Grund der Vielzahl an geschädigten österreichischen Anlegern" initiierten heimische Anwälte gemeinsam mit deutschen Partnern eine Gruppenintervention, heißt es in dem Bericht. Die Klage gegen Ex-CEO Braun sei eine flankierende Maßnahme zu den in Deutschland zu verfolgenden Ansprüchen, insbesondere gegen den Wirtschaftsprüfer, wird Roman Taudes von der Kanzlei Aigner, Lehner, Zuschin und Partner zitiert.

Indes berichtete die Tageszeitung "Kurier" unlängst, dass die pleite gegangene Österreich-Tochter des Skandalkonzerns offenbar Opfer eines Millionenbetrugs wurde. Die zuständige Mitarbeiterin eines externen Buchhaltungsunternehmens soll ihre Verfügungsmacht über das Wirecard-Konto jahrelang missbraucht und Überweisungen auf ihre eigenen Konten durchgeführt haben. Mutmaßlich dürfte der Tatzeitraum zwischen 2008 und Sommer 2017 liegen. Unterm Strich soll der Wirecard Central Eastern Europe GmbH (Wirecard CEE) ein Schaden von rund 2,5 Millionen Euro entstanden sein. Die Buchhalterin, die rund 1,5 Millionen Euro des Wirecard-Geldes bei einem Online-Wettanbieter verspielte, wurde bereits im Vorjahr zu 2,5 Jahren Haft verurteilt.

An die Öffentlichkeit kamen die Malversationen nun erst im Zuge des Insolvenzverfahrens. Das Unternehmen musste Anfang Juli – einige Tage nach der deutschen Mutter – Insolvenz anmelden. Ein Teilbetrag der veruntreuten Gelder (983.500 Euro) wurde laut Kurier durch Wirecard per Zivilgericht eingeklagt, dieses Verfahren wurde aber aufgrund der Insolvenzeröffnung unterbrochen. Nun soll ein "besonderer Verwalter" eine Einigung mit der Buchhaltungsfirma aushandeln, um einen weiteren Prozess zu vermeiden.

Besondere Verwalter
Neben Masseverwalterin seien zwei "besondere Verwalter" bestellt worden. Einer prüfe, ob das Unternehmen etwaige Haftungsansprüche gegen den Jahresabschlussprüfer der Wirecard CEE hat. Unter anderem zweifelt die Sammelklage-Plattform Cobin Claims die Richtigkeit des Jahresabschlusses 2019 an und hat Wirecard Central Eastern Europe GmbH bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft angezeigt. Der zweite Prüfer befasst sich mit Rechtsstreitigkeiten und anhängigen Prozessen.

Laut "Kurier" dürfte der Schaden aus der Österreich-Pleite doppelt so hoch sein, wie ursprünglich angenommen. Masseverwalterin Ulla Reisch sagt dem Bericht zufolge, dass sich die gesamten Insolvenzforderungen inklusive der Beendigungsansprüche der Dienstnehmer bei rund fünf Millionen Euro bewegen, während man ursprünglich von 2,3 Millionen Euro ausgegangen sei. Laut den Zahlen der Insolvenzverwalterin haben 146 Dienstnehmer rund 840.000 Euro an Forderungen angemeldet, 43 Dienstnehmer werden weiterhin beschäftigt. (eml)

Update 20.8.2020 - Klage gegen Markus Braun.