Felix Hufeld, Präsident der deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin, hat Vorwürfe gegen sein Haus im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal zurückgewiesen. Er sieht viel mehr die Politik in der Pflicht. "Wir erfüllen genau die Aufgaben, die uns der Gesetzgeber vorgibt – alles andere ist in einer Demokratie nicht zulässig", zitiert das Handelsblatt aus einem Gespräch Hufelds mit der "Welt am Sonntag". "Wir können nicht einfach machen, was wir wollen. Menschen, die behaupten, dass so ein Betrug mit einer anderen Aufsicht nicht möglich gewesen wäre, streuen den Bürgern Sand in die Augen."

Das immer noch im deutschen Leitindex Dax gelistete Unternehmen, bei dem mittlerweile der Insolvenzverwalter Michael Jaffé das Sagen hat, musste am 18. Juni eingeräumen, dass Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro "mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen". Die Staatsanwaltschaft München ermittelt nun wegen des Betrugsverdachtes. Ein Ex-Manager sitzt bereits in Untersuchungshaft. Die Bafin steht seit Bekanntwerden der Vorgänge in der Dauerkritik, weil sie angeblich nicht rechtzeitig eingegriffen habe – insbesondere bei der ihr direkt unterstellten Wirecard Bank. Jüngsten Erkenntnissen zufolge hatte sie aber das Bundesfinanzministerium schon Anfang 2019 wenigstens über  mutmaßliche Manipulationen bei Wirecard informiert.

Zu viele Grauzonen bei Aufsicht von Fintechs
Der Bafin-Chef fordert eine bessere Regulierung von Tech-Unternehmen durch den Gesetzgeber. Aktuell gebe es zu viele Grauzonen. Es seien nur kleine Teile von Wirecard von der Bafin direkt beaufsichtigt worden. "Der aufsichtliche Werkzeugkasten muss hier nachgeschärft werden", sagte Hufeld laut der Meldung des Handelsblattes.

Eine von vielen Seiten erhobene Forderung, die Bafin nach dem Vorbild der US-Börsenaufsicht SEC zu reformieren, sieht Hufeld kritisch. "Natürlich können wir von dem SEC-Modell etwas lernen. Aber auch in den USA kam es zu Betrugsfällen. Zudem haben die Vereinigten Staaten ein anderes Rechtssystem, das nicht so einfach auf Europa übertragbar ist", zitiert das Handelsblatt aus dem Interview der "Welt am Sonntag".

Wirecard-Skandal als Film?
Zudem wurde bekannt, dass die Causa Wirecard verfilmt werden sollen. Die deutsche Filmgesellschaft Ufa plant Berichten zufolge eine "dokufiktionale Aufbereitung" der Vorgänge. "Der Fall Wirecard liefert nicht nur die Vorlage zu einem einzigartigen Wirtschaftskrimi, er ist auch ein Drama unter Königen; zwischen gerissener Kriminalität und Technologiegläubigkeit", zitiert etwa der "Spiegel" Ufa-Chef Nico Hofmann. (jb)