Politisch besetzte Beiräte müssen sich wegen ihres Lobbying-Beigeschmacks mitunter kritische Fragen gefallen lassen. Damit musste sich auch der Immobilienentwickler Wienwert auseinandersetzen. Das Unternehmen hatte einen Beirat installiert, der wegen seiner Nähe zur Wiener Stadtpolitik beziehungsweise zur Bürgermeisterpartei SPÖ in zahlreichen Medien unlängst heftig in die Kritik kam. Die drei Mitglieder waren allesamt "rot": die zwei Ex-SP-Gemeinderäte Alois Mayer und Godwin Schuster sowie Peter Korecky, der frühere Vorsitzenderstellvertreter der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst.

Nun hat Wienwert die Information über den Beirat von seiner Homepage entfernt. Aus dem Unternehmensumfeld wird eine Auflösung bestätigt. Die Kritik an diesem Beirat sei aber nicht nachvollziehbar gewesen, hört man aus dem Unternehmen. Derzeit gibt Wienwert-CEO Stefan Gruze dazu keine offiziellen Statements ab.

Fest steht: Auch bei anderen Unternehmen in der Branche sind politische Beiräte üblich, so ist etwa jener des größten heimischen Immobilienunternehmens, Signa, mit Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer und Ex-Vizekanzlerin Susanne Riess gleich mehrfach hochkarätig politisch besetzt.

Einspruch gegen FMA-Bescheid
Wienwert steht noch immer mit der Finanzaufsicht FMA im Clinch. Diese hat Gruze im Zusammenhang mit der Unternehmensanleihe 1-2017 unter anderem wegen irreführender Werbung zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Gruze bestreitet diesen Punkt. Dem Vernehmen nach läuft die Einspruchsfrist noch, und Gruze dürfte Beschwerde einlegen.

Wienwert hat am 28. September bekannt gegeben, dass die Anleihe (AT0000A1W4Q5) im vollen Umfang von fünf Millionen Euro platziert worden ist. Die Investorennachfrage sei darüber hinausgegangen, schreibt Wienwert in einer Aussendung. Gruze selbst hat jedenfalls zur Nachfrage beigetragen: Er kaufte laut einer Pflichtmitteilung vom 21. September ein Nominale von 100.000, das es ab dieser Zeichnungssumme zum Preis von 98.000 Euro gab. Die Zeichnungsfrist endete per 30. September. Die Papiere notieren im Dritten Markt der Wiener Börse.

Laut so eben bekannt gegebenen Halbjahreszahlen für 2017 hat Wienwert mit einem Verlust abgeschlossen. Das Ergebnis nach Steuern liegt wegen geplanter Anfangsverluste bei minus 2,5 Millionen Euro. Der Bilanzverlust macht 2,8 Millionen Euro aus. Die Eigenkapitalquote ist (aufgrund der Anleihe und der Verluste) auf rund 31,7 Prozent gesunken. (eml)