Mitte September wurde bekannt, dass der slowakische Investor Arca Capital Group nur 9,9 Prozent an der Wiener Privatbank bekommt. Mit der seit 2017 geplanten Mehrheitsübernahme war Arca vor der Finanzmarktaufsicht nicht weiter gekommen. Die Bankeigentümer Günter Kerbler und Johann Kowar haben aber eine tiefere Verschränkung nicht abgeschrieben. Intern wird eine Beteiligung der Slowaken am – aufsichtsrechtlich weniger sensiblen – Immobilienbereich angedacht, wie FONDS professionell erfuhr.

"Es könnte sich etwas im Immobilienbereich ergeben", sagt eine Person aus dem Umfeld der Bankaktionäre laut einem Artikel, der in der aktuellen Printausgabe erschienen ist. Im Zentrum steht dabei der Immobilienvermögensverwalter und -entwickler ViennaEstate, der mehrheitlich Kerbler und Kowar gehört. Es gebe Gespräche, in denen Arca eine Rolle spielt. Einfach gestalten sich die Verhandlungen aber nicht, wie zu hören ist.

"Unterschiedliche Ansichten"
ViennaEstate war 2017 im Zuge der Übernahmepläne von der Wiener Privatbank abgespalten worden – Arca hätte damit ausschließlich das Bankgeschäft übernommen. An der ViennaEstate hat neben Kerbler und Kowar noch das börsenotierte deutsche Immobilienunternehmen Eyemaxx einen Anteil – nach Aufstockungen in den vergangenen Monaten mittlerweile 26 Prozent – wobei Kowar wiederum zu 12,76 Prozent an der Eyemaxx beteiligt ist. Innerhalb dieses Dreiecks Kowar, Eyemaxx, Kerbler, gibt es laut dem Insider unterschiedliche Ansichten über die ViennaEstate-Pläne mit der Arca.

Arca selbst schweigt seit Wochen. Juraj Dvorak, Mitglied der Arca-Geschäftsführung und Aufsichtsrat in der Wiener Privatbank, sagte in seiner letzten Stellungnahme gegenüber der Redaktion im August: "Wir bauen die Kooperation zwischen Wiener Privatbank und Arca vertriebsseitig aus und intensivieren sie."

Vertriebskooperation fix
Dass Arca überhaupt einen kleinen Anteil an der Privatbank erhält, war laut dem Insider bis zum Schluss nicht gewiss. Mit dem Anteil von 9,9 Prozent kommt nun immerhin Bewegung in die Vertriebskooperation, die bis jetzt auf "Sparflamme" lief. Die Vorstände der Privatbank, Helmut Hardt und Eduard Berger, erklärten im Gespräch, dass die Geschäftsvolumina aus der Kooperation angesichts der bis vor kurzem fehlenden Beteiligung überschaubar geblieben waren – von einer gemeinsamen Filiale in Prag ganz zu schweigen.

Die Hoffnungen für die Wiener aus der Kooperation sind jedenfalls groß. Ein Arca-Verantwortlicher hatte 2018 gegenüber der Redaktion geschätzt, man könne der Privatbank innerhalb von vier Jahren 2.000 neue Private-Banking-Kunden bringen. Der Schätzung zufolge sollten die Slowaken, die unter anderem auf Private Equity und "Financial Services" spezialisiert sind, der Wiener Bank Nettovergütungen in Höhe von fünf bis sechs Millionen Euro pro Jahr bringen.

Die Fonds der Wiener Privatbank sind laut Berger und Hardt bereits in Tschechien und der Slowakei zugelassen, und man schule Mitarbeiter aus dem Arca-Finanzvertrieb auf die Goldratenspar­pläne. Umgekehrt werden die Spezialfonds der Slowaken an die institutionellen Privatbankkunden in Wien vertrieben.

Kerbler: "Da braucht man Mut"
Günter Kerbler, der nun doch Bankaktionär bleibt, nimmt es gelassen. Der Immobilienprofi, der sich derzeit über internationale Beachtung für sein bald bezugsfertiges Holzhochhaus in Wien-Aspern freuen kann, meinte ironisch: "Ich sehe mich jetzt als Jungunternehmer. Da braucht man Mut." Er bereue das Engagement trotz des hohen Aufwands nicht und werde das Bankgeschäft jetzt auch nicht aufgeben. (eml)


Der gesamte Artikel ist in der aktuellen Printausgabe 3/2019 erschienen, die den Abonnenten dieser Tage zugestellt wird.