Der Großteil der börsenotierten Wiener Privatbank (WPB) dürfte bald einem slowakischen Investor gehören. Die Mehrheitsaktionäre Günter Kerbler und Johann Kowar befinden sich "in weit fortgeschrittenen Verhandlungen über den Verkauf ihrer direkt und indirekt gehaltenen" Anteile, teilt die Wiener Privatbank mit. Kerbler und Kowar halten gemeinsam über diverse Vehikel rund 72 Prozent an der Bank.

Potenzielle Käuferin ist die Arca Capital Group aus Bratislava, die unter anderem als Venture-Capital-Geber Mittel- und Osteuropa auftritt und Finanzservices in Tschechien und der Slowakei anbietet.

"Es ist ein Ausbau, keine Restrukturierung"
Eduard Berger, Vorstand der Wiener Privatbank zeigte sich gegenüber FONDS professionell ONLINE glücklich mit der Arca Gruppe. "Arca hat eine auf das Bankgeschäft ausgerichtete Zukunfsstrategie. Ich begrüße das absolut. Für uns kommen mit einem Schlag 25.000 Kunden dazu. Für Arca ist es eine Verlängerung ihrer Wertschöpfung in das Bankgeschäft hinein", so Berger. Es gehe nicht um eine Restrukturierung der Bank. "Es ist ein Ausbau, von dem jede Seite profitiert", so Berger.

Die Transaktion soll im Falle eines Vertragsabschlusses und vorbehaltlich der Zustimmung der Finanzaufsicht FMA voraussichtlich im zweiten Quartal 2018 abgeschlossen werden (Closing). Der Hinweis auf die Zustimmung der FMA ist nicht unwesentlich: 2013 wollten Kowar und Kerbler bereits einmal einen Teil verkaufen. Gut ein Drittel sollte an den früheren Ex-Goldman-Sachs-Banker Klaus Umek gehen. Der Deal scheiterte laut Medienmeldungen aber am "fit & proper"-Nachweis, den die FMA bei wesentlichen Bankbeteiligungen verlangt.

Vorstand Berger gibt sich zuversichtlich, dass die "fit & proper"-Kriterien diesmal erfüllt werden. "Da Arca fest in dem Bereich verankert ist, gehe ich davon aus, dass man dort ausreichend vorbereitet ist", so Berger.

Umbau vor dem Verkauf
Auch vor dem jetzt geplanten Verkauf gibt es noch eine Umstrukturierung zu bewältigen: "Alle wesentlichen Immobilienaktivitäten" der Bank sollen im Laufe des zweiten Halbjahres 2017 und des ersten Halbjahrs 2018 veräußert werden. Ziel ist eine "weitgehende Trennung zwischen Bank- und Immobiliengeschäft" der WPB, heißt es. Bei der Veräußerung geht es vor allem um die Beteiligungen Vienna Estate Immobilien AG und Wiener Privatbank Immobilienverwaltung GmbH sowie die mittelbar gehaltenen Beteiligungen an Hotelliegenschaftsbesitzgesellschaften.

Die Vienna Estate spielt dabei eine entscheidende Rolle: Sie wird die Immo-Schiene der Privatbank übernehmen. Die Vienna Estate-Vorstände Helmut Dietler und Thomas Gell teilten mit, dass sie die Übernahme "wesentlicher Immobilienaktivitäten der Wiener Privatbank" überprüfen. Die Wiener Privatbank wird sich als Kernaktionärin der Vienna Estate zurückziehen, an der sie knapp ein Drittel hält. Ungefähr die Hälfte halten Kerbler und Kowar.

"Bleiben Preferred Partner"
Ob es später noch geringe oder Kreuzbeteiligungen zwischen Vienna Estate und der Privatbank gibt, da sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. "Natürlich sind das die Profis im Immobilienbereich. Sicher werden das Preferred Partner bleiben. Wenn es um Services wie eine Hausverwaltung, Makler oder Immoverwaltung geht, wird man zusammenarbeiten", sagte WPB-Vorstand Berger.

Die Wiener Privatbank werde für ihre Beteiligung an der Vienna Estate Immobilien AG eine Barabfindung erhalten. Um die Transaktion zu finanzieren, wird die Vienna Estate eine Kapitalerhöhung benötigen. Die Höhe hängt von der Preissetzung ab.

Nach Eigenangaben verfügt die Vienna Estate über einen Bestand an Wohn- und Hotelimmobilien im Gesamtwert von rund 420 Millionen Euro. Die wichtigsten Geschäftsbereiche sind Immobilienprojektentwicklung, Management von strukturierten Immobilien-Investment- Portfolios, Development, Sanierung und Abverkauf von Zinshäusern und Wohnimmobilien. (eml)