Nachdem im Vorjahr die Einlagensicherung Austria (ESA) bereits bei Commerzialbank und Ex-Meinl Bank Anglo Austrian einspringen musste, ist es heuer erneut so weit: Freitagabend ordnete die Finanzmarktaufsicht (FMA) an, dass die bereits im Abbauprozess befindliche Autobank den Betrieb sofort einstellen muss. Das Institut hat beim Abbau Eigenkapitalerfordernisse unterschritten, weshalb die FMA eingriff.

Damit haben Kunden keinen Zugriff mehr auf ihre Konten; es tritt der Sicherungsfall ein, wobei  jedem Kunden gesetzlich bis zu 100.000 Euro zustehen. In gewissen Fällen, etwa, wenn es sich um einen Betrag aus einer Scheidung, Pensionsauszahlung oder einem Immobilienverkauf handelt, können es bis zu 500.000 Euro sein.

Die meisten Einleger erhalten den vollen Betrag
Anders als etwa bei der Commerzialbank sind im Fall der Autobank die Einlagen größtenteils abgesichert – 107 von 110 Millionen Euro sind erstattungsfähig. Rund 22.000 Kunden sind laut ESA-Angaben zu entschädigen; 99 Prozent dürfen den vollen Betrag erhalten. Einleger bekommen einen Brief mit individuellen Login-Daten zur Online Entschädigungs-Plattform der Einlagensicherung. Dort muss die Kontoverbindung einer anderen Bank bekanntgegeben werden. Ein eigener Antrag ist nicht nötig. Gesetzlich muss die ESA Einleger innerhalb von zehn Arbeitstagen nach Eintritt eines Sicherungsfalls entschädigen, was bereits bei Commerzialbank und Anglo Austrian funktionierte.

Die Autobank stellte 2019 ihr Geschäftsmodell auf die Refinanzierung deutscher Leasinggesellschaften um. Die Transformation scheiterte jedoch am durch Covid-19 geänderten Finanzierungsbedarf und an Wertberichtigungen bei Beteiligungen. Im Jänner 2021 beschloss die Bank die Einstellung des Neugeschäfts sowie den geordneten Abbau. Seither zahlte die Autobank laut ESA Einlagen in Höhe von 130 Millionen Euro an Kunden zurück.

Raiffeisen steigt aus
Die Häufung von Sicherungsfällen – nach zwei Jahrzehnten ohne Ereignis gibt es nun seit 2020 gleich drei Fälle – sorgt dafür, dass die ESA bald einen wichtigen Mitgliedssektor verliert: Die Raiffeisen Bankengruppe steigt aus der Einlagensicherung aus und wird nach Informationen der Redaktion bereits im Herbst in eine eigene Sicherungseinrichtung umsteigen. Man wolle nicht mehr für andere Sektoren zahlen, heißt es bei Raiffeisen. Die Gruppe musste einen großen Teil des Commerzialbank-Desasters tragen, nämlich 220 von rund 490 Millionen Euro, die die ESA an die Commerzialbank-Kunden zahlte.

Immerhin: Bei der Autobank sind umfangreiche Assets vorhanden. Somit werde sich die Belastung der ESA-Mitgliedsinstitute, die den Einlagensicherungsfonds speisen, in Grenzen halten, sagt Stefan Tacke, Geschäftsführer der ESA. "Nach derzeitigen Informationen wird die ESA über das Insolvenzverfahren den größten Teil der von ihr nun für die Entschädigung verwendeten Finanzmittel wieder zurückbekommen", so Tacke. (eml)