Mandarin-Kenntnisse, Teamgeist und jede Menge spannende Projekte im alten Job: Bewerber und Bewerberinnen schummeln immer wieder bei ihren Lebensläufen, um die anvisierte Stelle zu bekommen. Gespräche oder Emails reichen für Personaler oft nicht aus, um derartig kreative "Optimierungen" zu enttarnen. Dank spezieller Software haben sie aber inzwischen gute Chancen, den Manipulationen auf die Schliche zu kommen, berichtet der "Tagesspiegel." So etwa mithilfe einer sogenannten Open-Source-Intelligence-Analyse, kurz Osint.  

Die Methoden ähneln denen von Geheimdiensten und offenbaren Lügen im Lebenslauf respektive decken Ungereimtheiten auf. Dazu sammelt die Software alle im Internet zugänglichen Daten des Bewerbers, von Social-Media-Plattformen bis hinab ins Darknet. "So decken wir kritische Punkte auf – von halbseidenem Geschäftsgebaren bis hin zu anhaltenden Haftungsrisiken", zitiert der "Tagesspiegel" Christian Scherg, Geschäftsführer von "Revolvermänner", einer Online-Reputationsagentur, die Betrüger enttarnt. Sämtliche Beiträge und Likes in Job-Netzwerken LinkedIn oder Xing fließen ebenfalls in die Analyse des Bewerbers ein.  

Lügen haben kurze Beine...
Personaler machen sich solche Screening-Programme immer öfter zunutze, aus gutem Grund: Betrügereien bei der Bewerbung sind einerseits längst keine Ausnahme. Laut einer Studie des Personaldienstleisters Robert Half von 2017 haben 71 Prozent der Führungskräfte in Deutschland schon einmal Bewerber aufgrund von Falschangaben aussortiert. 

Dabei drohen Job-Schurken mitunter empfindliche Strafen: Lebensläufe zu frisieren oder Zeugnisse zu fälschen kann juristisch als Hochstapelei oder sogar Urkundenfälschung geahndet werden. Obendrein zeigen Kriminalstatistiken, dass Beschäftigte, die es bereits bei der Bewerbung mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit später in Fälle von Mitarbeiterkriminalität verstrickt sind – insbesondere, wenn es um Stellen ganz oben in der Hierarchie geht.

...und sind ganz oben besonders weit verbreitet
"Unter Spitzenmanagern, die sich für eine neue Position interessieren, gibt es wahrscheinlich noch mehr Beschöniger bis hin zu Betrügern, als bei Jobsuchenden weiter unten auf der Karriereleiter", mutmaß der Unternehmensberater Marco Löw im "Tagesspiegel". Es sei ein offenes Geheimnis, dass sich ein spezieller Typus Mensch von Top-Positionen, 80-Stundenwochen, von Macht und Geld, angezogen fühle – und ziemlich viel dafür tue, in eine solche Position zu kommen.

Deshalb sei es besonders wichtig, die richtige Person für den jeweiligen Spitzenjob zu finden. "Hat man den falschen Kandidaten an Bord, kann das verheerend sein und ein Unternehmen Milliarden kosten", so Löw. (fp/ps)