Die Konkurrenzsituation am heimischen Kreditmarkt bleibt auf einem hohen Niveau, dies geht aus einer gemeinsamen vierteljährlichen Umfrage der Zentralbanken des Euroraums und der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor. In einem Umfeld von hoher Liquidität mussten die Banken im dritten Quartal 2019 in ihrem Werben um Kreditkunden abermals sinkende Margen für Neukredite in Kauf nehmen. Profiteure der Situation sind Unternehmen und private Haushalte.

Der bereits seit Mitte 2016 bestehende Trend sinkender Margen bei neu vergebenen Unternehmenskrediten und bei neu vergebenen Wohnbaukrediten an private Haushalte setzte sich im dritten Quartal 2019 verstärkt fort. Aktuell berichtete eine größere Anzahl an Banken von Margensenkungen als in der Umfrage für das zweite Quartal 2019.  

Günstige Konditionen nur bei guter Bonität
Die hierdurch günstigeren Kreditkonditionen kommen allerdings nur Kunden mit entsprechender Bonität zugute. Bei risikoreicheren Unternehmens- und Wohnbaukrediten wurden die Margen laut der Umfrage nicht gesenkt. Auch bei Konsum- und sonstigen Krediten an private Haushalte kam es zu keinen Margensenkungen.

Die derzeit im langfristigen Vergleich außergewöhnlich niedrigen Kreditzinsen sind allerdings der Geldpolitik des Eurosystems geschuldet, durch die sich das Zinsniveau seit 2008 deutlich nach unten verschoben hat. Die Zinsen für Neukredite an Unternehmen sowie an private Haushalte für Wohnbau sind seit Oktober 2008 um etwa vier Prozentpunkte gefallen. Der Referenzzinssatz Euribor, an den viele variabel verzinste Kredite gebunden sind, ist seit Februar 2016 in allen Fristigkeiten negativ.

Nachfrage nach Unternehmenskrediten stagniert
Restriktiver wurden die Banken hingegen bei den Kreditrichtlinien für private Haushalte. Diese wurden in den ersten drei Quartalen 2019 hauptsächlich aufgrund einer geringeren Risikotoleranz der Banken verschärft. Im Firmenkundengeschäft blieben die Kreditrichtlinien schon seit 2017 weitgehend unverändert. Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten war in den Jahren 2016 bis 2018 außergewöhnlich stark. Im Verlauf des heurigen Jahres stagnierte sie im Wesentlichen. Letzteres dürfte auf den sich abschwächenden Investitionszyklus zurückzuführen sein.

Nachfrage nach Wohnbaukrediten steigt leicht
Im Privatkundengeschäft (Wohnbaukredite sowie Konsumkredite und sonstige Kredite) hat sich die Kreditnachfrage von Ende 2017 bis Mitte 2019 kaum geändert. Die Umfrageergebnisse für das dritte Quartal 2019 und der Ausblick auf das vierte Quartal deuten aber eine moderate Belebung der Nachfrage nach Wohnbaukrediten an – unterstützt vom anhaltend niedrigen Zinsniveau. Im dritten Quartal 2019 gab es für die befragten österreichischen Banken – wie schon in den beiden Quartalen davor – Verbesserungen bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Anleihen. Dem steht ein leichter Rückgang der langfristigen Einlagen im dritten Quartal 2019 gegenüber. Auch für das vierte Quartal 2019 wird ein weiterer Rückgang erwartet.

Hinsichtlich der Auswirkungen der geldpolitischen Maßnahmen gaben die an der Umfrage beteiligten Banken an, dass das Wertpapierankaufprogramm des Eurosystems seit seinem Bestehen ihre Ertragslage aufgrund negativer Effekte auf die Nettozinsmargen belastet. Die Umfrageergebnisse zeigen jedoch auch positive Auswirkungen auf Liquidität und Finanzierungsbedingungen der Banken.

Auch der negative Einlagenzinssatz des Eurosystems beeinträchtigt die Ertragsentwicklung der Banken, da dieser gemäß den Ergebnissen der Umfrage einen anhaltenden Abwärtsdruck auf die Kreditzinsen und -margen verursacht und insbesondere die Nettozinserträge der Banken dämpft. (gp)