Seit 2002 analysiert die Weltbank, wie es um das Geschäftsklima in 190 Staaten der Welt bestellt ist. Der daraus resultierende Index hat Gewicht. Ein gutes Ranking macht Länder als Investitionsstandort attraktiv und lässt ihre Regierungen gut dastehen. Doch nun zeichnet sich ab, dass bei der Erstellung des Rankings offenbar nicht alles mit rechten Dingen zuging.

In den Versionen von 2018 und von 2020 soll es zu einer "Reihe von Unregelmäßigkeiten" gekommen sein, berichtet die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) unter Berufung auf eine Mitteilung der Weltbank. Die Veränderungen der Daten seien inkonsistent mit der Methodologie. Um was für "Unregelmäßigkeiten" es geht, wird aus der Mitteilung nicht ersichtlich. Ebenso unklar ist, ob bloß Daten falsch ausgewertet wurden oder ob Staaten gar illegal versucht haben, sich in ein besseres Licht zu rücken. Die Wortwahl in der Mitteilung deutet laut NZZ aber darauf hin, dass es zu gezielten Manipulationen kam. Gerüchten zufolge sollen Daten von China, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Aserbaidschan auf unerklärliche Weise verändert worden sein.

Zweifelhafte Kriterien
Nicht zum ersten Mal wird Kritik am "Doing Business"-Bericht laut. 2018 zweifelte selbst der damalige Chefökonom der Weltbank, Paul Romer, die Zuverlässigkeit an, berichtet die NZZ. Er meinte, der Report sei generell anfällig für Manipulationen. Und in der Tat ist die Vorgehensweise nicht ganz unproblematisch.

Gemessen wird beispielsweise die Anzahl Tage, die es braucht, um eine Firma behördlich zu registrieren, oder die Zeit, bis ein Stromanschluss steht. Das sind zweifelsohne wichtige Standortfaktoren, doch andere wie die makroökonomische Stabilität, die Rechtssicherheit oder die Qualität der Infrastruktur und des nationalen Bildungssystems bleiben im Index unberücksichtigt. Das führt zu teils skurrilen Platzierungen, die für Kopfschütteln sorgen, stellt die NZZ fest. Auf der jüngsten Rangliste sei etwa Nordmazedonien (Rang 17) besser benotet als Deutschland (22) oder Kanada (23). 

Romer ging sogar einen Schritt weiter und behauptete, Chile sei über Jahre hinweg vor allem deshalb schlecht beurteilt worden, weil sich die Studienautoren nicht mit der sozialistischen Präsidentin, Michelle Bachelet, hätten anfreunden können. Eine interne Untersuchung entdeckte zwar keine Hinweise betreffend die Anschuldigung. Romer, der bald zurücktrat, blieb aber misstrauisch.

Wie unparteiisch ist die Weltbank?
Die Veröffentlichung des neuesten Berichts war eigentlich für Oktober geplant, laut NZZ hat die Weltbank die Arbeit daran aber bis auf weiteres ausgesetzt. Die interne Aufsicht der Organisation will nun sämtliche Prozesse bei der Datenerhebung untersuchen. Außerdem wollen deren Experten die Reporte der vergangenen fünf Jahre auf Manipulationen überprüfen. "Auf dem Spiel stehen die Integrität und die Unparteilichkeit der Weltbank", schreibt die NZZ. (fp/ps)