Europas Banken bekommen die Folgen der Covid-19-Pandemie zu spüren. Jedes zehnte Institut schreibt Verluste. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung Kearney in ihrem "European Retail Banking Radar 2021". Demnach ging der durchschnittliche Gewinn pro Kunde 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent zurück. 70 Prozent der Banken erzielten nur magere 100 Euro durchschnittlichen Gewinn pro Kunden.

Trotz der schwachen Ergebnisse zeigen sich die Kearny-Experten zuversichtlich. Denn eigentlich hatten sie mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet. "Es besteht kein Zweifel, dass die Pandemie erhebliche Auswirkungen auf die Banken hatte", sagt Daniela Chikova, Partnerin Financial Services bei Kearney und Autorin der Studie. "Die Folgen waren aber weniger schwerwiegend, als noch im Vorjahr prognostiziert." Dafür seien die Hilfsprogramme und die Lehren, die aus der Finanzkrise gezogen wurden, verantwortlich.

Deutsche Banken als Schlusslicht
So dürften Europas Finanzinstitute bald die Krisenfolgen abschütteln. "Wir gehen davon aus, dass die europäischen Banken innerhalb von drei bis fünf Jahren wieder zur Performance von vor Covid-Zeiten zurückkehren werden", erläutert Chikova. Allerdings erfordere dies einen Kraftakt. "Um die Rentabilität zu steigern, müssen in dieser Zeit die Kosten um 35 bis 45 Milliarden Euro gesenkt werden."

Am schwersten wird dies den deutschen Instituten fallen. Das Aufwands-Ertrags-Verhältnis verschlechterte sich auf über 70 Prozent. Damit sind sie das Schlusslicht in Europa. "Trotz einer stabilen Ertragsentwicklung auch im Pandemiejahr 2020 bekommen die
deutschen Banken ihre Kosten nicht nachhaltig in den Griff", resümiert Chikova. Zumindest beim Gewinn pro Kunden schnitt Deutschland mit einem Rückgang von "nur" 25 Prozent etwas besser ab als der europäische Durchschnitt.

Österreich im Aufwind
Deutlich besser stehen die österreichischen Geldhäuser da. Sie senkten im Pandemiejahr ihre Kosten und steigerten die Erträge. Damit verbesserte sich das Aufwand-Ertrags-Verhältnis zum fünften Mal in Folge und liegt nun bei knapp unter 65 Prozent. "In den letzten Jahren unterstützten vor allem steigende Erträge die positive Entwicklung. Zum ersten Mal ist die bessere Performance hauptsächlich auf Kostensenkungen zurückzuführen", berichtet Chikova.

Die Unternehmensberatung Kearney misst seit 2007 die Performance europäischer Retaillbanken. Für die aktuelle Auswertung wurden die Daten von 89 Privatkundenbanken - 51 Banken in Westeuropa und 38 Banken in Osteuropa - in 22 Ländern untersucht. (ert)