Der Bonuspool der Wall Street dürfte in diesem Jahr neue Rekorde brechen, wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen. Grund sind hohe Bankgewinne infolge steigender Aktienkurse und einer Rückkehr der Deal-Aktivitäten nach einer langen Flaute.

Die Gewinne der 130 Unternehmen, die der New York Stock Exchange (NYSE) angehören, stiegen im ersten Halbjahr auf einen Gesamtwert von 30,4 Milliarden US-Dollar. Sollte es im dabei gesehenen Tempo bis Ende des Jahres weitergehen, wäre dies das höchste Ergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen, erklärte Thomas DiNapoli, Rechnungshofprüfer des Bundesstaates New York, am Donnerstag (23.10.) in seinem Jahresbericht.

Vergütungen steigen kräftig
Die Vergütungsausgaben stiegen im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um fast zehn Prozent – ein Hinweis darauf, dass die Boni weiter anwachsen könnten. Schon im Vorjahr hatten sie einen Rekordwert erreicht, als die durchschnittliche Jahresprämie bei 244.700 US-Dollar lag.

DiNapoli begrüßte die Gewinne der Banken und betonte, dass sie die Steuereinnahmen steigerten, die für wichtige Investitionen in öffentliche Dienstleistungen benötigt würden. "Auch wenn Unsicherheit über Zinssätze, Inflation und die gesamtwirtschaftliche Lage bleibt, scheint die Wall Street erneut auf ein starkes Jahr zuzusteuern", sagte DiNapoli in einer Erklärung.

Handelsgeschäft profitiert von KI und Volatilität
Die Handelsabteilungen der Banken profitierten in diesem Jahr von der durch Zölle ausgelösten Marktvolatilität sowie einer Aktienrally, die von Technologie- und KI-Titeln getragen wurde.

Im dritten Quartal meldeten Morgan Stanley, JP Morgan Chase, Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs und Wells Fargo gemeinsam 15,4 Milliarden Dollar Handelsumsatz – der höchste Wert in diesem Zeitraum seit mindestens fünf Jahren.

Prognose dreht sich ins Positive
Die aktuelle Schätzung ersetzt eine frühere Prognose, die von einem Rückgang des Bonuspools um 14 Prozent aufgrund wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheiten ausgegangen war.

Bereits im August hatte der Vergütungsberater Johnson Associates seine Prognose für Wall-Street-Boni angepasst, nachdem Investmentbanker wieder mehr Fusionen, Übernahmen und andere Transaktionen verzeichneten.

Steuereinnahmen und Gehälter steigen
Der Bericht von DiNapoli ergab außerdem, dass die Steuereinnahmen New York Citys aus der Wertpapierbranche im jüngsten Haushaltsjahr um 35,1 Prozent auf 6,7 Milliarden US-Dollar stiegen.

Das durchschnittliche Gehalt in der Wertpapierbranche der Stadt erhöhte sich im vergangenen Jahr um 7,3 Prozent auf 505.630 Dollar – etwa das Fünffache des Durchschnittslohns privater Arbeitnehmer in New York, so der Bericht.

Wachsende Debatte über soziale Ungleichheit
Die Vermögensungleichheit ist in New York zunehmend Thema. Zohran Mamdani, Bürgermeisterkandidat der Demokraten, tritt mit einem Programm an, das darauf abzielt, die Lebenshaltungskosten für Arbeitnehmer zu senken – unter anderem durch höhere Steuern für Unternehmen und Wohlhabende. (mb/Bloomberg)