US-Banken sollen von gelockerten Kapitalvorschriften profitieren. Entsprechende Vorschläge der Aufsichtsbehörden kündigte die oberste Bankenaufseherin der US-Notenbank am Donnerstag (12.3.) an. Die Branche begrüßte den Schritt.

"Diese Änderungen am Kapitalrahmen beseitigen überlappende Anforderungen, kalibrieren Vorgaben stärker entlang des tatsächlichen Risikos und schließen umfassend langjährige Lücken in unserem aufsichtsrechtlichen Rahmen", sagte die Fed-Vizechefin für Bankenaufsicht, Michelle Bowman, bei einer Veranstaltung des Cato Institute.

Änderungen bei Basel-III-Regeln
Bowman zufolge erwarten die Aufseher, dass der Teil des Reformpakets, der mit Basel III zusammenhängt, zu einem leichten Anstieg der Kapitalanforderungen für Wall-Street-Banken führen wird. Die vorgeschlagenen Änderungen beim Aufschlag für global systemrelevante Banken dürften dagegen zu einer moderaten Senkung führen. Zusammengenommen würden die Vorschläge die Kapitalanforderungen insgesamt leicht reduzieren, sagte Bowman.

Das Paket solle Banken dazu ermutigen, ihre Kreditvergabe auszuweiten. Gleichzeitig könne es helfen, den Trend zu stoppen, dass sich Hypothekengeschäfte zunehmend von Banken zu Nichtbank-Anbietern verlagern.

Ein Teil der Änderungen betrifft internationale Standards aus dem globalen Bankenregelwerk Basel III, das nach der Finanzkrise 2008 eingeführt wurde.

Streit um strengere Kapitalvorgaben
Der jüngste Vorstoß der US-Aufseher zu Basel III folgt auf heftigen Widerstand von Wall-Street-Banken gegen eine Version aus der Amtszeit von US-Präsident Joe Biden, die letztlich nicht finalisiert wurde.

Kritiker hatten argumentiert, eine deutliche Erhöhung der Kapitalanforderungen würde Kredite verteuern und US-Banken im Wettbewerb mit internationalen Rivalen schwächen. Befürworter hielten dagegen, die Maßnahme sei entscheidend für die Stabilität des Finanzsystems.

Anpassungen für systemrelevante Banken
Bowman erläuterte außerdem Änderungen beim Aufschlag für global systemrelevante Banken, die die Kapitalanforderungen für die größten Institute moderat senken würden.

Zu den Anpassungen gehört unter anderem eine Überarbeitung der Komponente, die mit Risiken aus kurzfristiger Refinanzierung zusammenhängt. Außerdem sollen Aufschläge künftig in Schritten von zehn Basispunkten statt wie bisher von 50 Basispunkten vergeben werden.

Neuer Ansatz für Kapitalberechnung
Das Kapitalpaket der US-Aufsicht soll zudem einen neuen "standardisierten Ansatz" enthalten, der bestimmten Kreditinstituten eine vereinfachte Berechnung ihrer risikobasierten Kapitalanforderungen ermöglicht.

Nach diesem Plan würden mittelgroße Banken nicht realisierte Gewinne und Verluste aus bestimmten Wertpapieren in ihre Kapitalquoten einbeziehen.

Kritik aus der Politik
Das in Washington ansässige Bank Policy Institute begrüßte den Vorschlag als "durchdachten Bottom-up-Ansatz". Kritiker, darunter die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, bezeichneten ihn dagegen als Zugeständnis an große Wall-Street-Banken.

"Trumps Bankenaufseher geben den großen Banken einmal mehr genau das, was sie wollen – eine schwache Regel, die die gravierenden Mängel im Kapitalrahmen, die nach der Finanzkrise 2008 nie behoben wurden, nicht angeht und damit unsere gesamte Wirtschaft gefährdet", erklärte Warren in einer Stellungnahme.

Lehren aus der Finanzkrise
Bowman sagte am Donnerstag, dass die Aufseher nach der Finanzkrise 2008 in vielen Fällen einen Ansatz verfolgt hätten, den sie als "Gürtel, Hosenträger und elastischer Bund" beschrieb – also eine besonders umfangreiche Absicherung durch mehrere Regelwerke gleichzeitig.

"Wir wollen sicherstellen, dass wir die Widerstandsfähigkeit erhalten und weiterhin starke und robuste Kapitalanforderungen haben – sie aber so kalibrieren, dass sie das tatsächliche Risiko angemessen berücksichtigen", sagte Bowman. (mb/Bloomberg)