Voller Fokus auf Commerzbank: Unicredit verabschiedet sich von BPM
Die Unicredit macht den Weg frei für eine strategische Neuausrichtung und zieht ihr Übernahmeangebot für Banco BPM zurück. Damit rückt nun die Commerzbank als möglicher Fusionspartner wieder stärker in den Fokus – trotz politischer Widerstände in Berlin.
Die italienische Großbank Unicredit gibt ihren monatelangen Übernahmeversuch bei Banco BPM auf – und richtet ihren strategischen Blick verstärkt auf Deutschland. Nachdem sich Rom querstellte, erscheint nun wieder die Commerzbank als vorrangiges Ziel für mögliche Fusionspläne.
In einer Mitteilung erklärte die Unicredit am Dienstagabend (22.7.), der Vorstand habe das BPM-Angebot zurückgezogen, da eine finale Genehmigung durch die Regierung nicht zu erreichen gewesen sei. Zwar habe es Fortschritte gegeben, doch ein Abschluss wäre selbst nach Fristverlängerung nicht realisierbar gewesen.
"Die anhaltende Unsicherheit im Zusammenhang mit der Anwendung der 'Golden Power'-Bestimmungen ist weder für Unicredit noch für ihre Aktionäre von Vorteil", erklärte CEO Andrea Orcel.
Italien blockiert – Berlin bleibt abweisend
Der Rückzug ist ein Rückschlag für Orcels ehrgeizigen Plan, die Unicredit durch gezielte Fusionen zur paneuropäischen Großbank auszubauen. Nach dem Aus in Italien bleibt nun vor allem die Commerzbank als offensichtlicher Kandidat. Die deutsche Bundesregierung zeigt sich bislang allerdings ebenfalls abweisend – ein ähnliches Bild wie zuletzt in Rom, wo die italienische Regierung mit Hilfe der "Golden Power"-Gesetze das BPM-Vorhaben torpedierte.
Bei der "Golden Power"-Regelung handelt es sich um ein Instrument der italienischen Regierung, mit dem sie Transaktionen einschränken oder blockieren kann – etwa durch Auflagen, ein Veto oder einen Einspruch. Es kommt zur Anwendung, wenn Unternehmen betroffen sind, die strategische Tätigkeiten ausüben oder Vermögenswerte von besonderer Bedeutung für das nationale Interesse halten.
Gerichtsurteil und EU-Kritik wirkungslos
Ein italienisches Verwaltungsgericht hatte zuletzt zwei zentrale Regierungsauflagen gekippt, doch Rom zeigte sich unbeeindruckt. Auch die EU-Kommission äußerte scharfe Kritik an der politischen Einmischung. Brüssel warnte, Italiens Vorgehen verstoße möglicherweise gegen europäisches Fusionsrecht.
Die Unicredit sah sich dennoch gezwungen, die Reißleine zu ziehen. Das führt laut Vorstandschef Orcel zu "einer verpassten Gelegenheit – nicht nur für die BPM-Aktionäre, sondern auch für Italiens Unternehmen".
Commerzbank als logischer nächster Schritt
Insider berichten, dass die Unicredit die Offerte für Banco BPM derzeit nicht wiederbeleben will – es sei denn, es ergäben sich grundlegende Veränderungen. Damit dürfte nun die Commerzbank wieder verstärkt ins Visier rücken. Zwar gibt es auch dort erheblichen politischen Widerstand, doch strategisch ergibt sich aus Sicht Orcels eine große Chance: erweiterter Zugang zum deutschen Markt und Stärkung der Position im europäischen Firmenkundengeschäft.
Investoren begrüßen Kurswechsel
Teile der Aktionäre reagierten positiv. "Deals um jeden Preis hat Orcel den Unicredit-Aktionären erspart", lobte Cole Smead von Smead Capital Management.
Die Unicredit hatte BPM ursprünglich im Tausch gegen eigene Aktien übernehmen wollen – nahezu ohne Aufschlag. Die verhaltene Bewertung hatte bereits früh Zweifel an der Umsetzbarkeit der Fusion genährt. (mb/Bloomberg)














