Beim österreichischen Versicherungsriesen VIG wird sich die Segmentgewichtung durch die Übernahme der deutschen Nürnberger Versicherung kräftig verschieben. Aus dem Geschäft mit Lebensversicherungen werden die Wiener statt derzeit einem Viertel künftig ein Drittel der Prämien einnehmen, wie aus einer Präsentation hervorgeht. Die VIG verspricht sich von der ausgewogeneren Ausrichtung mehr Stabilität und – gepaart mit dem eigenen Lebensgeschäft – Größenvorteile.

Die Nürnberger erwirtschaftet fast zwei Drittel ihrer 3,7 Milliarden Euro an Bruttoprämien mit Lebensversicherungen. Davon wiederum kommt ein Drittel der Prämien aus fondsgebundenen Produkten (bei denen das Veranlagungsrisiko bei den Kunden liegt). Deutlich mehr als ein weiteres Drittel der Lebensprämien stammen aus Berufsunfähigkeitspolizzen. In den Unterlagen hebt die VIG selbst die Einschätzung von S&P-Analysten hervor, wonach die Biometrieexpertise der Nürnberger zu einem Kompetenzzentrum im Konzern werden könnte.

Regionale Gewichte verschieben sich
Eine Diversifizierung findet auch regional statt. Der deutsche Markt würde nach der Nürnberger-Übernahme 22 Prozent des Gesamtgeschäfts ausmachen und wäre dann der zweitgrößte VIG-Einzelmarkt nach Österreich (25 Prozent). Deutschland und Österreich wären mit gemeinsam 47 Prozent gleich groß wie alle CEE-Länder zusammen. Bisher zählte Deutschland – mit 238 Milliarden Euro an Prämieneinnahmen einer der größten Versicherungsmärkte in Europa – bei der VIG zu den "Spezialmärkten". In dem Segment werden Restgrößen zusammengefasst (hier neben Deutschland auch Georgien, Liechtenstein und Türkei).

In Deutschland trat die VIG bisher über ihre Töchter Interrisk Nichtleben und Interrisk Leben auf sowie im Rückversicherungsgeschäft mit einer Zweigniederlassung der VIG Re. Im Nicht-Lebensbereich werden Unfall- und Haftpflichtversicherungen sowie ausgewählte Sachversicherungsprodukte angeboten. Bei Interrisk Leben stehen Altersvorsorge- und Berufsunfähigkeitslösungen sowie Hinterbliebenenschutz im Zentrum. Eigenvertrieb gibt es nicht. Vertrieben werden die Interrisk-Produkte ausschließlich über selbstständige Vermittler. Laut Geschäftsbericht gibt es rund 10.000 Maklerpartner.

Übernahmeangebot
Beide Unternehmen haben am 16. Oktober 2025 einen Fusionsvertrag unterzeichnet. Die VIG hat im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots 120 Euro je Aktie in bar geboten. Am 21. November ist die Annahmefrist zur Einlieferung von Nürnberger-Aktien abgelaufen. Laut ihren Angaben besitzt die VIG derzeit bereits 98,38 Prozent der Nürnberger-Aktien.

Auch abseits des Deals läuft es für die VIG momentan gut. Soeben wurden die Gewinnprognosen für das Gesamtjahr nach oben revidiert (von 1,1 auf 1,15 Milliarden Euro vor Steuern). In den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 stiegen die verrechneten Prämien zum Vorjahreszeitraum um 8,6 Prozent auf knapp 12,5 Milliarden Euro. Beim Vorsteuerergebnis gab es ein Plus um 31 Prozent auf 872,8 Millionen Euro.

Ausgewogene Zuwächse
Relativ betrachtet am stärksten war erneut die Krankenversicherung (plus 12,1 Prozent) gewachsen, gefolgt von der Kfz-Haftpflicht (plus 11,9 Prozent) und der Lebensversicherung ohne Gewinnbeteiligung (plus 11,8 Prozent).

In den "Spezialmärkten" (insbesondere Türkei) gab es ein Plus von 18,4 Prozent. Als starker Einzelmarkt wird Polen mit plus 13,5 Prozent hervorgehoben. Im Segment "Erweiterte CEE" (plus 9,4 Prozent) stach die Ukraine – dort hat die VIG drei Gesellschaften – mit einem Prämienanstieg von 36,7 Prozent heraus. (eml)