Die börsenotierten Unternehmen in Österreich haben im Rahmen ihrer Gewinnausschüttungen rasch auf die Covid-19-Krise reagiert. Im Durchschnitt gibt es bei den im Vienna Prime Market gelisteten Unternehmen für das Bilanzjahr 2019 nur noch 0,89 Euro pro Aktie. Für 2018 waren  es noch durchschnittlich 1,10 Euro, und 2017 hatten die Anleger 1,03 Euro je Anteilsschein erhalten. Das ergibt eine Untersuchung der Wirtschaftsuniversität Wien (WU).

"Da insgesamt erst ein Bruchteil der Hauptversammlungen stattgefunden hat und nur diese Unternehmen eine Bestätigung ihres Dividendenvorschlages erhalten haben, ist es nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Anpassungen folgen werden", so die Studienautoren Stéphanie Mittelbach-Hörmanseder von der Abteilung für Unternehmensrechnung und Revision und Matthias Petutschnig von der Abteilung für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre.

Ein Viertel schüttet keine Dividenden aus
Nach derzeitigem Stand streichen sieben von 29 Unternehmen die Dividende komplett. In den Vorjahren hatten drei respektive vier Unternehmen nichts ausgeschüttet. Zu erwähnen ist dabei, dass die Finanzmarktaufsicht FMA die Banken und Versicherungen, die am österreichischen Aktienmarkt ein hohes Gewicht einnehmen, zu einem Dividendenstopp aufgefordert hat. Immerhin gab es aber noch zehn Unternehmen, die ihre Dividenden erhöhten, für 2018 taten dies 17 Unternehmen. Acht Unternehmen reduzieren ihre Dividende für das Bilanzjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr.

Skeptisch zeigen sich die Unternehmen übrigens, was die Möglichkeiten der Digitalisierung betrifft: Die virtuelle Hauptversammlung wird kaum angenommen. Die Mehrheit der Firmen hat den Termin einfach in das zweite Halbjahr 2020 verschoben. Verbreitet sei es auch, Dividenden-Termine nach hinten zu schieben, um gegebenenfalls kurzfristig auf veränderte Marktbedingungen reagieren zu können, so Mittelbach-Hörmanseder.

Dividendenaussetzung fraglich
In der Regel hatten sich die am Vienna Prime Market gelisteten Unternehmen in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Die Studienautoren stellen daher infrage, ob Dividendeneinschnitte aufgrund der Pandemie-Situation gerechtfertigt sind, "insbesondere wenn die notwendigen bilanziellen Reserven vorhanden sind", heißt es. "Darüber hinaus ist wohl auch zu bedenken, dass oftmals institutionelle Investoren an Unternehmen beteiligt sind, deren Anlage-Performance sich wiederum auf Pensionsfonds und dergleichen auswirkt", schreiben die Autoren. Dem gegenüber stünden aber "nicht zu unterschätzende" Signalwirkungen an Mitarbeiter sowie die Frage, inwieweit die unvorhersehbaren Auswirkungen durch die Covid-19-Krise schon heute berücksichtigt werden können. (eml)