Der britische Geldwäscheexperte Graham Barrow geht hart mit der Finanzwelt ins Gericht. Es würden viel zu wenige Banken wegen Geldwäsche zur Verantwortung gezogen, kritisiert er im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Viele Kriminelle machen krumme Geschäfte in Schwellenländern, wollen ihr unrechtmäßig erworbenes Geld aber in einem EU-Land lagern oder es dort investieren. "Die Kriminellen suchen Sicherheit", sagt Barrow. Dabei können sie sich professioneller Hilfe gewiss sein: "Es gibt ein paar spezialisierte Finanzdienstleister, die in jedes größere Geldwäschegeschäft involviert waren, das mir in den vergangenen Jahren untergekommen ist", berichtet der Experte. "Sie richten überall auf der Welt Briefkastenfirmen ein, in Neuseeland, Panama oder auch Zypern. Das ist ein gigantisches Geschäft."

Banken spielen bei diesen weltweiten Deals mit schmutzigem Geld eine unrühmliche Rolle. "Viele Banken lassen es zu, in großem Stil missbraucht zu werden, indem sie nicht so genau hinschauen, wo das Geld herkommt, das sie um die Welt schicken", sagt Barrow. Damit ermöglichen sie es den Kriminellen überhaupt erst, in großem Stil Geld zu waschen. "Sie bilden das System, in dem das Geld vom Ursprungsland an schöne, sichere Orte wie die USA oder nach Großbritannien gebracht wird oder an einen der Offshore-Finanzplätze, wo es vor den Augen der Öffentlichkeit versteckt bleibt."

Währungsgeschäfte spülen schmutziges Geld ins System
Am Anfang des Geldwäsche-Prozesses stehen meist kleine, lokale Banken, bei denen niemand viele Fragen stellt, schildert Barrow. "Dort gelangt das Geld ins System." Die Kunst besteht darin, es von den kleinen Instituten zu den großen Playern zu transferieren, am besten zu solchen in der EU. Ist das erst geschafft, lässt sich das Geld ohne große Probleme weiterverschieben. Oft funktioniert dieser zentrale Schritt über Währungsgeschäfte: Banken benötigen eine Lizenz, um US-Dollar durchs System schicken zu dürfen. Kleine Institute haben diese Lizenz meist nicht. Wollen sie zum Beispiel Rubel in Dollar tauschen, benötigen sie die Hilfe einer größeren Bank, einer sogenannten Korrespondenzbank. Diese bewegt das in Dollar umgetauschte Geld dann weiter. "Mit Hilfe von Korrespondenzbanken erhalten kleinere Banken Anschluss ans internationale System", sagt Barrow – und Verbrecher ebenfalls.

Weil Großbanken jedes Jahr Milliarden von Transaktionen durchführen und sich dabei sauberes Geld mit schmutzigem vermischt, ist es extrem schwierig, zu beweisen, dass eine bestimmte Summe aus illegalen Quellen stammt. Barrow sieht die Banken hier in der Verantwortung, genauer hinzuschauen. Ein deutsches Geldhaus betrachtet er besonders kritisch: "Es gibt risikoscheue Banken – und es gibt die Deutsche Bank. Sie ist immer und immer wieder in große Geldwäschefälle verwickelt, und die Geschäftsinteressen werden offensichtlich immer noch höher gewichtet als ethische, moralische und rechtliche Erwägungen", sagt er im SZ-Gespräch. Auch am Geldwäsche-Skandal bei der Danske Bank, der vor wenigen Jahren aufflog, war Deutschlands größtes Geldhaus beteiligt.

Mehr Banker sollten ins Gefängnis
Wer gegen bestehende Geldwäsche-Regeln verstößt, sollte persönlich haften müssen, fordert der Experte. "Das ist natürlich eine kühne Vision", sagt er. "Es müssten mehr Banker ins Gefängnis gehen, bis die großen Banken den Schuss hören." Auch beteiligte Anwälte und Wirtschaftsprüfer sollten zur Verantwortung gezogen werden. "Und weil Geldwäscher immer diesen internationalen Ansatz haben, kann man ihnen auch nur mit globalen Anstrengungen begegnen", so Barrow. Seine Forderung: "Wir brauchen eine Art globale Eingreiftruppe." (fp)