Die amerikanische Fondsgesellschaft PGIM war bislang eher institutionellen Investoren ein Begriff – und besonders im Anleihenfeld unterwegs. Doch mit dem Wholesale-Vertriebschef Kai Röhrl, der vergangenes Jahr von Robeco zu dem US-Anbieter kam, nimmt das Haus nun verstärkt auch andere Anlegergruppen ins Visier. Zudem rückt das Unternehmen eine bestimmte Expertise in den Fokus. Die Details erläutert Röhrl im ersten Interview seit seinem Wechsel.


Herr Röhrl, Sie haben die Leitung des Wholesale-Vertriebs bei PGIM für Deutschland und Österreich übernommen. Welche Kundengruppen nehmen Sie ins Visier?

Kai Röhrl: Wir richten uns an professionelle oder semi-professionelle Anleger, also solche Investoren, die diskretionär über die ihnen anvertrauten Vermögen entscheiden, aber eher in Fonds investieren und weniger in Mandate. Dazu zählen etwa Vermögensverwalter, Dachfondsmanager oder Privatbanken. Das klassische Retailgeschäft, also der Vertrieb über Anlageberater, steht bei uns derzeit nicht im Fokus. Aber wir werden natürlich niemanden ablehnen.

Und welche Anlagestrategien stellen Sie ins Schaufenster?

Röhrl: Wir bieten Bausteine für Portfolios. Dafür führen wir in sehr unterschiedlichen Bereichen einerseits breite, andererseits aber auch sehr zielgerichtete, spezielle Lösungen im Sortiment. Bei der Verwaltung von Anleiheportfolios ist PGIM meines Erachtens ein echtes Powerhouse. Im Bereich Public und Private Credit verwalten wir zum Beispiel mehr als eine Billion Dollar. Im Bereich der Schwellenländeranleihen sind es 64 Milliarden Dollar. Hinzu kommen verbriefte Forderungen. So zählen wir nicht nur zu den größten Investoren bei Collateralized Loan Obligations, kurz CLOs, wir emittieren diese Verbriefungen auch selbst.

Woher kommt diese starke Ausrichtung auf Anleihen?

Röhrl: PGIM ist eine Tochter der amerikanischen Versicherungsgesellschaft Prudential Financial. Versicherer weisen einen hohen Eigenanlagebedarf auf, der durch festverzinste Wertpapiere oder auch alternativen Anlagen gedeckt wird. Daraus ist auch unser Private-Credit-Geschäft entstanden. Wir verfügen in Deutschland über ein eigenes Team, das Kredite ausreicht. Wir verleihen das Geld dabei nicht nur in Kooperation mit Private-Equity-Gesellschaften, wie viele andere Akteure, sondern stehen in direktem Kontakt mit den Unternehmen.

Sie vergeben Darlehen wie eine Bank?

Röhrl: Wir sind keine Bank. Die Kredite haben wir in der Vergangenheit vorrangig für den Eigenbedarf der Versicherung vergeben. Über die Jahre und Jahrzehnte hat unser Haus eine große Expertise aufgebaut, von der wir als Investmentgesellschaft zehren und die wir über unsere Fonds nun vermehrt an die Kunden weiterreichen können.

Wie sieht die Aufstellung bei Aktien- und Multi-Asset-Strategien aus?

Röhrl: Da wir Bausteine für Portfolios liefern, spiel Multi-Asset nicht die ganz große Rolle. Bei Aktien hingegen verfügen wir über ein umfassendes Angebot. Meiner Meinung nach noch zu wenig bekannt sind unsere quantitativen Strategien. Die Aktivitäten reichen bis ins Jahr 1975 zurück. Die Vermarktung dieser Ansätze erfolgte bislang vorrangig im institutionellen Rahmen. Im hiesigen Wholesale-Geschäft muss diese Expertise sozusagen noch wachgeküsst werden.

Ist die Auflage von börsengehandelten Fonds ebenfalls eine Option?

Röhrl: Die Nachfrage nach ETFs wächst zweifellos – und aus durchaus guten Gründen. Die Anleger vermuten dahinter eine einfache Handelbarkeit und günstige Gebühren. Wobei sich auch Publikumsfonds mit günstigen Preisen etikettieren lassen. Anleger erkennen jedenfalls viele Vorteile in ETFs und mögen das Vehikel. In den USA sind wir als ETF-Anbieter aktiv. Doch in Europa hat das für uns aktuell keine Priorität. Wir haben genug mit unserer bestehenden Publikumsfonds-Palette zu tun.

Bis ins vergangene Jahr hinein agierte PGIM mit mehreren, eigenständigen Einheiten und eigenem Vertrieb – ähnlich wie ein Boutiquendach. So gab es etwa die Marken PGIM Fixed Income, PGIM Private Equity und PGIM Real Estate. Warum wurde diese Struktur aufgegeben?

Röhrl: Diese Struktur gehört der Vergangenheit an. Die Private-Credit-Einheit etwa wurde mit dem Fixed-Income-Bereich verschmolzen. Ähnliche Operationen hat das Haus in den anderen Teilbereichen vorgenommen. Lediglich die Einheit Jennison Associates wird auch künftig relativ unabhängig agieren. Der Hintergrund dieses Umbaus ist einfach: Das Asset Management ist ein Skalengeschäft. Es geht also darum, ein Unternehmen so effizient wie möglich aufzustellen, um die Marge stabil zu halten. Und es liegt natürlich auch im Interesse der Kunden, dass ihr Vermögen so effizient wie möglich betreut wird. In der Branche existieren mehrere Modelle von Dachgesellschaften, bei denen die Boutiquen jeweils vergleichsweise eigenständig agieren. Aber ich glaube, dabei handelt es sich um ein Auslaufmodell.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)