Union-Investment-Tochter setzt auf KI – mit Folgen fürs Personal
Künstliche Intelligenz könnte die Arbeitswelt im Asset Management grundlegend verändern. Quoniam-Investmentchef Volker Flögel rechnet langfristig mit kleineren Teams, sieht den Menschen aber weiterhin in der Verantwortung.
Die Union-Investment-Tochter Quoniam setzt verstärkt auf künstliche Intelligenz. Das hat Chief Investment Officer Volker Flögel in einem Interview mit "Bloomberg" erklärt. KI komme beispielsweise bei der Software-Programmierung und der Generierung von Investment-Signalen zum Einsatz. Das dürfte auch Auswirkungen auf die Personalentwicklung haben.
"KI verändert das Asset Management massiv. Wissensarbeit lässt sich erstmals automatisieren", erklärte Flögel. Asset Manager könnten es sich inzwischen nicht mehr leisten, KI zu ignorieren. Denn "das würde zu einem Wettbewerbsnachteil werden, entweder weil die Kosten zu sehr steigen oder die Performance der Anlageprodukte nicht stimmt".
Als aktiver, datengetriebener Asset Manager verwaltet Quoniam innerhalb der zur DZ Bank gehörenden Union-Investment-Gruppe rund 26 Milliarden Euro, beschäftigt über 100 Mitarbeiter und unterhält Niederlassungen in Frankfurt und London.
Kleinere Teams möglich
"Wegen KI werden die Teams bei Asset Managern wahrscheinlich kleiner", erklärte Flögel. "Beim künftigen Wachstum unseres Unternehmens wird das Personal unterproportional wachsen – unter anderem wegen Aufgaben, die die KI übernehmen kann und wird." KI werde aber nicht den ultimativ verantwortlichen Menschen ersetzen, zumindest nicht auf absehbare Zeit. Es würden also immer auch Menschen im Asset Management gebraucht.
Potenzial für niedrigere Kosten
"KI hat das Potenzial, die Kosten im Asset Management deutlich zu senken – ohne negative Auswirkungen auf die Investmentergebnisse", erklärte Flögel. Los gehe es mit weniger komplexen Dingen. Aber er sei sich sicher, dass künstliche Intelligenz bald auch kompliziertere Aufgaben übernehmen kann, bis hin zur Finanz- und Wertpapieranalyse.
KI ermögliche es, riesige Mengen Daten auszuwerten und Signale zum Kaufen oder Verkaufen zu identifizieren – Signale, die in der Vergangenheit gar nicht oder nur sehr schwer zu finden gewesen seien. So habe Quoniam beispielsweise einen Multi-Asset-Fonds, der eine Sentiment-Strategie verfolge. Dank KI filtert das Unternehmen laut Flögel jetzt jeden Tag rund 1,5 Millionen Nachrichten und analysiert etwa 100.000 davon hinsichtlich makroökonomischer Entwicklungen wie etwa Inflation.
KI-Agent beschleunigt Programmierung
Hinzu komme unter anderem "operatives Alpha", wie Flögel es nennt. So war Quoniam zuletzt etwa damit beschäftigt, 150.000 Zeilen an altem Software-Code in eine moderne Programmiersprache zu übertragen. "Weil wir einen KI-Agenten einsetzen, geht der Prozess fünf bis zehn Mal schneller, verglichen damit, wenn man es manuell machen würde", sagte Flögel. Das schaffe Freiräume, schneller mehr Daten zu analysieren.
"Das ist wettbewerbsverzerrend"
Doch es gibt auch Dinge, die Flögel mit Blick auf KI ein wenig beunruhigen. "Es ist besorgniserregend, wenn nicht alle Unternehmen Zugang zu fortgeschrittenen KI-Modellen erhalten", erklärte er mit Bezug auf das Modell Mythos. "Das ist wettbewerbsverzerrend."
Laut Entwickler Anthropic ist Mythos so leistungsstark, dass es anspruchsvolle Cyberangriffe ermöglichen könnte. Es sei in der Lage, Schwachstellen in jedem gängigen Betriebssystem und Webbrowser zu identifizieren und auszunutzen, wenn es von einem Benutzer dazu angewiesen werde. Anthropic hatte das Modell zunächst nur einer kleinen Gruppe von Nutzern zur Verfügung gestellt.
Unabhängig davon werden inzwischen immer mehr Inhalte mit KI generiert. "Da stellt sich dann natürlich irgendwann die Frage, wie zuverlässig die Inhalte und Daten sind", erklärte Flögel. (mb/Bloomberg)














