Einen kompletten Wandel macht gerade die nach außen hin unscheinbare einstige Zertifikate-Einheit des italienischen Unicredit-Konzerns durch: Die Plattform Onemarkets – sie gehört gesellschaftsrechtlich zur deutschen Tochter Hypovereinsbank – soll zur zentralen Anbieterin von Investmentangeboten der Unicredit werden, sagt der Österreich-Verantwortliche Frank Weingarts.

Die vor drei Jahren auf Onemarkets (zusätzlich zu den Zertifikaten) gestartete Fondspalette umfasse mittlerweile mehr als 50 Produkte, in denen über 30 Milliarden Euro verwaltet werden, sagte Weingarts in einem Interview, das in voller Länge in der neuen Heftausgabe von FONDS professionell erschienen ist. Dabei hebt sich die Unicredit von anderen Banken ab: Es handelt sich nicht um eigene Fonds, sondern um ein Subadvisory-Konzept. Unicredit mandatiert Asset Manager von J.P. Morgan AM bis Blackrock, die dann Produkte nach gezielten Vorgaben managen. Sowohl die Zahl der Anbieter als auch der Produkte soll wachsen, so Weingarts.

Neu: Alternatives
Vor einigen Wochen sind auf Onemarkets erstmals ETFs dazugekommen. Nun soll ein Fondsangebot für Alternative Investments live gehen, wie Weingarts ankündigte. "Das können Active Managed Certificates sein oder ELTIFs (European Long-Term Investment Funds) und klassische UCITS-Fonds. Mit den Alternatives gehen wir in den kommenden Wochen an den Markt. Unter dem Onemarkets-Dach sollen alle Kunden vom Retail bis zum Wealth-Management ein Angebot finden", so Weingarts.

Onemarkets wird demnach schrittweise zum Asset-Management-Hub im Unicredit-Konzern ausgebaut. Diese Rolle wird sich in den kommenden Monaten weiter verstärken, da die Unicredit sich aus der historischen Kooperation mit dem Hauptpartner Amundi zurückzieht.

Onemarkets soll Amundi kompensieren
Die Unicredit hat 2016 ihre eigene Fondsgesellschaft Pioneer an den französischen Riesen Amundi verkauft und ist mit diesem seitdem über einen Vertrag verbunden, der bis Mitte 2027 läuft. Bereits jetzt halten sich die Italiener aber nicht mehr zur Gänze an die Vereinbarung. Es gibt Berichte über hohe Abflüsse und vertragliche Pönalen, die die Unicredit an die Franzosen zu entrichten hat.

Amundi sei weiter einer der Partner im Subadvisory-Konzept, so Weingarts. Die Vermittler würden konzernweit aber bereits auf das allgemeine Onemarkets-Angebot geschult. "Der Vertriebsfokus ist jetzt ein anderer", so Weingarts.

Zertifikatemarkt gewachsen
Er ist gleichzeitig Vorsitzender des Zertifikate ­Forums Austria, das heuer 20 Jahre alt wird. Damals habe das in Zertifikaten verwaltete Volumen in Österreich bei sechs Milliarden Euro gelegen, heute bei rund 18 Milliarden. Der Anstieg zeige, dass die Kunden reinvestieren. Denn anders als bei Fonds, wo Buy-and-Hold vorherrscht, haben Zertifikate Fälligkeiten, wie Weingarts betont. Sie fallen also nach Ablauf aus der Statistik.

Die Maßnahmen der deutschen Aufsicht Bafin gegen die dortigen Zertifikateanbieter beobachte man in Österreich. Jedoch sei die Situation hierzulande eine andere: Nur rund ein Prozent entfällt auf die hochriskanten Hebelprodukte, bei denen die Bafin seit Juni Vertriebseinschränkungen vorgibt. (eml)


Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Heftausgabe FONDS professionell 2/2026 ab Seite 222 oder nach Anmeldung hier im E-Magazin.